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Geheuchelte Empathie&Sympathie für Russland und die Muslime

Was mir in den letzten Jahren in Deutschland aufgefallen ist, ist die Empathie die Russland und der muslimischen Community entgegengebracht wird.

Spätestens mit Ausbruch der Ukraine-Krise entdeckte der Deutsche seine Liebe zu Russland wieder. Da wären zum einen die einfachen Arbeiter und Angestellte, die eine angebliche Hetze gegen Russland in den Medien festgestellt haben wollen. Politiker wie Schröder oder Mißfelder (bis vor kurzem der Vorsitzende der JU und außenpolitischer Sprecher der CDU) pflegen schon aus Eigeninteresse ein gutes Verhältnis zu Russland. Unternehmer waren von Anfang an nicht begeistert von den Sanktionen gegen Russland. Aber auch die Kultur-Elite zeigt viel Empathie für Russland. In München wurde beispielsweise ein Klassik-Konzert veranstaltet, auf dem ausschließlich Kompositionen russischer Musiker gespielt wurden, gesendet vom deutschen Fernsehen.

Sehr viel Empathie für Russland und die aggressive Kreml-Politik. Etliche scheinen über demokratische, rechtsstaatliche und menschenrechtliche Defizite non-chalant hinwegzusehen.

Die gleiche Empathie haben die Länder Mittelosteuropas bei weitem nicht. Allen voran die Ukraine nicht. Ich kann mich nicht an ein einziges Konzert, in dem ukrainische Musiker gewürdigt wurden, erinnern. Um nur ein Beispiel zu nennen.

Auffällig ist, dass gerade diejenigen, die kaum oder gar keine Kenntnisse Osteuropas und seiner tragischen Geschichte haben, besonders deutlich Partei für Russland ergreifen. Angesichts des zweiten Weltkriegs und seiner verheerenden Folgen gerade auf russischem Boden, scheint dies vordergründig löblich. Die fehlende Empathie für das Baltikum, die Ukraine usw. zeigt aber, dass sträflich vergessen wird, dass die Wehrmacht zunächst diese Länder durchqueren musste, bevor sie ihre Verbrechen in Russland begehen konnte. Dieses erinnerungstechnische Defizit muss in diesen Ländern doppelt schmerzen, da dort zum einen natürlich ebenfalls brutale Verbrechen begangen wurden, insb. der Massenmord an den Juden (1,5 Mio. ukrainische Juden wurden im 2. Weltkrieg ermordet) sei hier erwähnt. Darüber hinaus aber wird unter dem Deckmantel des eigenen Kriegsschulderbes entweder bewusst oder unbewusst über die Verbrechen der Sowjetunion hinweg geschwiegen.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass man mit Verständnis für Russland, die Verbrechen infolge des Hitler-Stalin-Paktes sowohl auf deutscher als auch auf russischer Seite vordergründig elegant ignorieren kann. Viele machen es sich also gleich doppelt einfach.

Allerdings ist diese Empathie oftmals auch nur vorgegaukelt und soll lediglich die eigene Überlegenheit gegenüber dem russischen Volk kaschieren, das nihilistisch und demokratieunfähig im Grunde doch nur die Rolle des minderwertigen Slawenvolkes verkörpert und bestenfalls dazu geeignet ist, den sog. “Brüdervölkern” Osteuropas Angst einzujagen.

Ich habe den Eindruck, dass viele Deutsche intelligent genug sind, um dies wie eben beschrieben zu durchschauen und darauf aufbauend ihre mangels aufrichtiger Empathie vorherrschenden Gefühle der Erhabenheit und Überlegenheit gegenüber den nicht-russischen Völkern Osteuropas zu genießen. Dazu passt, dass der wirtschaftliche Rückstand im Vergleich zu Westeuropa auch ein Vierteljahrhundert nach dem Zusammenbruch des Kommunismus naturgemäß nicht aufgeholt werden konnte, so dass nur wenige sich die Mühe machen, Land&Leute und Sprache&Kultur in dieser Region kennen zu lernen.

Ähnlich sieht es in Bezug auf Israel aus. Niemand muss Konflikte im Nahen Osten in Gänze verstehen. Allerdings haben wir eine historische Verantwortung gegenüber dem jüdischen Staat, der meiner Beobachtung zufolge nur die wenigsten ausreichend gerecht werden. Meine pro-jüdischen und pro-israelischen Aktivitäten auf facebook zeigen mir, dass Empathie allenfalls für arabische und muslimische Belange entgegengebracht wird. Unterschwellig parallel zu offenen Sympathiebekundungen wird hier die Meinung transportiert, Araber und Muslime seien letztlich die Opfer, die Unterdrückten der Israelis, sei es im Palästina-Konflikt oder im Konflikt mit dem um nukleare Aufrüstung bemühten Iran.

Wo sich hinter der Empathie für Russland nur Rassismus gegenüber anderen mittel-und osteuropäischen Völkern, letztlich aber auch gegenüber Russland versteckt, so wird bei der vorgegebenen Sympathie für arabisch-persisch- nicht zuletzt auch türkisch-muslimische Belange zum teil ein alles andere als schöner Antisemitismus kaschiert.

Beiden Phänomenen liegt mithin keine ehrliche Wertschätzung für fremde Völker und Kulturen zugrunde, sondern im Gegenteil eine oberflächliche im Einzelfall sogar feindselige Gesinnung, die zu einem toleranten und weltoffenen Land nicht passt.

2 Antworten to “Geheuchelte Empathie&Sympathie für Russland und die Muslime”

  1. fuck.the.meeting sagt:

    Schön und Gut,aber auch wenn
    Deutschland eine historische Verantwortung gegenüber dem jüdischen Staat hat, sollte dir auch bewusst sein, dass mit der jetzigen israelischen Regierung nicht zu verhandeln ist. Diese beruht meines Erachtens nach, auch auf Heuchelei und Scheinheiligkeit.
    Jemand der an dem Trauermarsch in Paris teilnimmt, aber in den jüngsten Gaza-Kriegen etliche Palästinenser tötet ist nicht weitaus besser. Und hier sollte sich auch etwas ändern und eben da Deutschland diese historische Verantwortung hat, könnte sich doch endlich jemand in der Politik zu diesem Thema äußern.

  2. @fuck.the.meeting

    Im Januar erschienen zwei Studien von der Bertelsmann-Stiftung und der Konrad-Adenauer-Stiftung. Untersucht wurde das Israel-Bild der Deutschen und das Deutschland-Bild der Israelis. Bemerkenswertes Ergebnis der Studien: Zwei Drittel der Israelis haben ein positives Deutschland-Bild, umgekehrt sympathisiert lediglich jeder dritte Deutsche mit dem jüdischen Staat.

    Skeptisch blicken Deutsche auf die politische, insb. jedoch die militärische Unterstützung Israels, während die Israelis selbst sich gerade diese von Deutschland erhoffen.

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