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Prof. Hans-Werner Sinn: Energiewende ins Nichts

Einen sehr kritischen Vortrag zum Thema “Energiewende” hielt zum Jahresende Prof. Hans-Werner Sinn an der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Ich möchte ihnen diesen Vortrag nicht vorenthalten. Der Präsident des ifo-Instituts zeichnet ein düsteres Bild der Erfolgsaussichten der Energiewende. In dem eineinhalb-stündigen Vortrag zeigte Prof. Sinn mithilfe zahlreicher Charts, Tabellen und Graphiken, dass es aus seiner Sicht nicht möglich ist, die Kosten in den Griff zu bekommen. 120 Milliarden € hat der Ausbau der Erneuerbaren Energieträger bislang gekostet. Dabei liegt der Anteil von Photovoltaik- und Windenergie am Endenergieverbrauch im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Berücksichtigt man die hohe Volatilität der Energieerzeugung, die Sonne scheint bekanntlich nur tagsüber, wenn überhaupt, der Wind weht auch nur unregelmäßig, dann liegt der gesicherte Anteil der Erneuerbaren am Gesamtenergieverbrauch bei 0,4% des Endenergieverbrauchs. Um eine Glättung hinzubekommen, sprich die Energieversorgung zuverlässiger zu machen, müssten Speichermöglichkeiten geschaffen werden, die den bestehenden Bestand erheblich übertreffen. Sinn führt hier aus, dass in Deutschland 437 Speicherkraftwerke fehlen. Der Bau dieser Kraftwerke würde einen dreistelligen Milliardenbetrag kosten. Auch andere Speichermöglichkeiten kosteten einen hohen Milliardenbetrag, sagt der Bestseller-Autor. Sinn hat sich viele Gedanken gemacht. Selbst wenn man die Speichermöglichkeiten der Elektroautos berücksichtigt und alle ca. 42 Millionen in Deutschland zugelassenen Kraftfahrzeuge durch die Batterieautos ersetzt, würde diese Speichermöglichkeit nicht ausreichen, sagt der Ökonom. 164 Millionen Elektroautos wären hierfür nämlich nötig.

Kurzum zeichnet Sinn ein düsteres Gesamtbild der Energiewende. Zum einen kostete die Energiewende bislang schon einen hohen dreistelligen Milliardenbetrag, zum anderen machen die Erneuerbaren nur einen Bruchteil des Endenergieverbrauchs aus. Sinn prognostiziert daher, dass die Energiewende mittelfristig scheitern wird. Die realistische Alternative zur Abkehr von der schmutzigen Energieherstellung durch Verbrennung fossiler Brennstoffe sieht er einzig und allein in der Atomkraft. Diesen Weg gehen viele Länder weltweit. So hat das Nachbarland Frankreich einen Atomstromanteil von 70% und möchte über kurz oder lang auf Elektroautos umsteigen. Auch hier präsentiert der Berufspessimist eine entsprechende Graphik. Immer mehr Länder möchten den Anteil der Atomkraft ausbauen und setzen dabei auf diese günstige Alternative, die CO2-Emissionen zu reduzieren. Sinn ist es dabei wichtig, festgehalten zu haben, dass er kein Lobbyist der Atomenergiewirtschaft sei. Auch leugnet er den menschenverursachten Klimawandel an sich nicht.

Der Münchner Professor jongliert mit großen Zahlen und zeichnet das Gesamtbild. Leider geht Sinn, für mich völlig unverständlich, mit keiner Silbe darauf ein, wie viel Geld Jahr ein Jahr aus für die Energieerzeugung durch den Import der fossilen Energieträger ausgegeben werden muss. Er stellt keine Gegenrechnung auf. Auch hier müsste man nämlich “erschreckend” feststellen, dass es sich um Milliardenbeträge handelt. Geld, das letztlich für den Ausbau der Erneuerbaren fehlt. Ich hätte mir gewünscht, dass der renommierte Akademiker auch diese Seite der Energiewirtschaft beleuchtet und in Relation setzt. Doch Fehlanzeige. Und so muss man am Ende enttäuscht feststellen, dass man zwar einige interessante Fakten, Daten und Zahlen näher gebracht bekommen hat, diese jedoch ziemlich isoliert im Raum stehen. Letztlich also ziemlich einseitig was Prof. Sinn uns hier auftischt.

10 Antworten to “Prof. Hans-Werner Sinn: Energiewende ins Nichts”

  1. Felix sagt:

    Natürlich kostet auch die konventionelle Energieversorgung richtig Geld. Aber sie hat den Vorteil, dass sie funktioniert (hat). Was mich noch skeptischer macht, ist, dass Deutschland das einzige Land dieser Welt zu sein scheint, das diesen Weg geht. Nicht mal das schwer getroffene Japan steigt Hals über Kopf aus der Atomenergie aus. Es könnte durchaus sein, dass wir damit unser Land in einer Welt extremen Wettbewerbs ruinieren.
    Immer, wenn Deutschland gemeint hat, es müsse einen Sonderweg gehen, hat das in einer Katastrophe geendet.

    • Sinn hat insofern recht, als mit der Atomkraft eine Technologie bereits vorhanden ist, mit der das CO2-Problem in den Griff zu kriegen ist. Meine Vermutung ist daher, dass er deshalb keine Gegenrechnung aufgestellt hat. Je höher der Anteil der Atomkraft am Endenergieverbauch ist, desto geringer fällt zwangsläufig der Import von teuren Rohstoffen aus. China plant derzeit die meisten Neubauten, viele andere Länder planen ebenfalls Neubauten. Es ist der leichte und bequeme Weg. Ich persönlich verstehe auch nicht warum wir in Deutschland den steinigsten Weg von allen gehen wollen.

      Sinn prognostiziert übrigens, dass die Energiewende scheitern wird und wir zur Atomkraft zurückkehren werden. Vorher müssen die Schmerzen, sprich die Kosten=Strompreis, jedoch noch größer werden.

  2. willem van groningen sagt:

    Solange fuer die alternative energiequellen keine effektive kompakte speicher konstruiert werden, die mit kernenergie, fracking oder kohle konkurieren könnten, werden sie immer auf der verliererseite sein. Die umweltpaepste haben offensichtlich angst fuer schmutzige Hände. 1m^3 natrium koennte mit 6 ha pumpspeichersee konkurieren, wenn man es sich vorstellen könnte, dieses element aus aetznatron zu elektrolysieren. Das riecht jedoch nach schmutzige industrie und deswegen inakzeptabel. Warum eigentlich? Natrium ist zwar risikoreich, aber trotzdem handelbar und total CO2-frei!

  3. @Felix+willem van groningen

    Es macht aus meiner Sicht grundsätzlich keinen Sinn neuen Technologien feindlich gesinnt zu sein.

  4. willem van groningen sagt:

    Und daher ist es nahezu schade, dass es nicht versucht wird eine recycling methode fuer Na >>> NaOH >>>> Na zu entwicklen. Das geht elektrolytisch, Natrium ist.leichter als wasser, jedoch nicht volatil, sondern bis 100•C ein feststoff mit ein enrgieinhalt von etwa 7Mwh/m^3 ..Es wird weniger effizient sein als zB pumpspeicherseen. Da es sich um das Abschoepfen von alternative Energieen handelt, sollte das kein hinderungsgrund sein es zumindesr mal zu untersuchen. WvG

  5. Manfred Obermüller sagt:

    Windenergie ist keine Lösung. Der Wind im Binnenland bleibt unverändert schwach. Mehr Wind im Binnenland konnten bisher auch keine Parteitagsbeschlüsse der Grünen und Koalitionsverträge der Regierungsparteien herbeizaubern. das Geld für die Suche nach echten Alternativen fehlt, weil es für Subventionen in Windenergie und Solar verschwendet wird.

  6. “Wir haben die Komplexität der Energiewende unterschätzt.” – Sigmar Gabriel vor wenigen Wochen auf einer Erneuerbare-Energien-Konferenz.

    Leider wurde das Projekt “Energiewende” nicht zu ende gedacht. Wir haben einerseits die hohen Kosten, obwohl die Energie kostenlos zur Verfügung steht. Dies liegt an den Zusagen an die Investoren, von denen sich manche eine goldene Nase verdient haben (sicherlich jedoch nicht der private Hausbauer mit einer kleinen Photovoltaik-Anlage auf dem Dach). Gleichzeitig wurde wie Prof. Sinn richtigerweise anführt nicht an die Speicherung der extrem volatilen Energieproduktion gedacht, deren Infrastruktur-Aufbau nochmal einen dreistelligen Milliardenbetrag verschlingen würde.

    Dies führt zu einem dritten Kritikpunkt, nämlich der fehlenden Ersparnis.

    Hier wurde seitens der Politik, insb. durch die Grünen, dem Wahlvolk kein reiner Wein eingeschenkt. Erinnert sei an Jürgen Trittin’s Aussage, nicht mehr als eine Kugel Eis im Monat würde die Energiewende den Bürger kosten. Davon kann schon lange keine Rede sein.

    Mittlerweile ist nicht nur die energetische Infrastruktur gefährdet, weil die Betreiber konventioneller Kraftwerke zum teil mit dem Betrieb Verluste machen und es betriebswirtschaftlich keinen Sinn mehr macht, sie weiter am Netz zu halten. Auch der Ausbau der Stromtrassen liegt nicht zuletzt am Widerstand Bayerns auf Eis.

    Angesichts der organisatorischen Schwierigkeiten ernten wir auch Spott aus dem Ausland. Sollte es nicht gelingen, den Break-Even der Energiewende zu erreichen, dann arbeiten wir aktiv an der Deindustrialisierung Deutschlands und damit letztlich an der Verwirklichung des Morgenthau-Plans, der nach dem 2. Weltkrieg ebendies vorsah.

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