finance & politics

Israel im Gas-Fieber

Es zeigt sich immer deutlicher, dass Israel im östlichen Mittelmeer große Gas-Vorkommen ausbeuten kann. Darüber habe ich bereits berichtet. Geträumt wird mittlerweile davon mit Hilfe dieser Vorkommen die Energieunabhängigkeit zu erreichen und darüber hinaus zu einem Export-Land zu werden. Dass würde Devisen ins Land locken und sich neben den niedrigen Energie-Preisen günstig auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung auswirken. Dabei zeigt sich, dass Israel ohnehin das Beste aus seiner komplizierten Situation macht.

Weil man das Know-How, um diese Energie-Vorkommen zu bergen nicht hat, ist Israel auf eine internationale Zusammenarbeit angewiesen. Dabei mögen Israel Partner Erstaunen hervorrufen. Bei der Exploration helfen den Israelis die Amerikaner, beim Vertrieb die Russen und bei der Sicherung soll Hilfe aus Deutschland kommen.

Warum europäische Unternehmen keine Rolle bei den israelischen Gas-Deals zu spielen scheinen, ist schleierhaft, passt jedoch zum Israel-Bashing in den Medien. Meines Erachtens ist es absolut irrsinnig über irgendwelche Israel-Boykotte nachzudenken. Stattdessen sollte die Zusammenarbeit verbessert werden. Im Energie-Sektor würde dies bedeuten, die Exporte nicht russischen Unternehmen, allen voran Gazprom, zu überlassen, sondern selbst dafür zu sorgen, dass die Energieversorgung sich verbessert. Wie man am Beispiel der Nabucco-Pipeline sieht, sollte man sich keinerlei große Hoffnung auf eine Verbesserung machen. Scheinbar verdienen europäische Konzerne gut genug und offensichtlich haben europäische Politiker auch kein Interesse daran an der Abhängigkeit vom russischen Gas etwas zu ändern. Es fehlt außerdem auch der Wille. Oberste Priorität hat zumindest in Deutschland der Totalausstieg aus der Energie-Versorgung durch nicht-erneuerbare Energieträger.

Gleichwohl muss die Zeit zeigen, wie nachhaltig der Gas-Boom in Israel ist. Unklar sind auch die Gebietsansprüche durch andere Staaten in dieser Mittelmeer-Region. So meldet auch der krisengeschüttelte Libanon eigene Ansprüche an. Sollte sich das israelische Gas-Fieber jedoch als begründet erweisen, dann wird dies erst recht vor dem Hintergrund des amerikanischen Fracking-Booms, über kurz oder lang zu einer Neuordnung des Machtgefüges im Nahen Osten führen. Mehr oder weniger klar ist derzeit allenfalls, dass sowohl die USA als auch Israel zu den Gewinnern dieser Entwicklung gehören werden. Womöglich auch Russland, dessen Präsident sich 2013 als ausgebuffter geopolitischer Stratege erwiesen hat. Dumm steht bei dieser “Energiewende” im östlichen Mittelmeer zum gegenwärtigen Zeitpunkt lediglich Europa da. Einzig Deutschland soll Rüstungsgüter liefern und würde sich dadurch einmal mehr als einer der zuverlässigsten Partner Israels erweisen.

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