finance & politics

Fracking – Bald auch in Europa

Die neueste Schlagzeile bei dem Dauerthema “Energiewende” lautet nun, dass die EU das Fracking auch in Europa zulassen möchte. Oder besser gesagt: Es sollen der noch relativ neuen Technologie, die es ermöglicht, dass auch aus tiefen Gesteinsschichten Gas und Öl gefördert werden kann, keine neuen Steine in den Weg gelegt werden.

Höchste Zeit sich mit dem Thema intensiver auseinanderzusetzen.

1. Was ist Fracking?

Das Hydraulische Fracking ist eine Technologie, bei der eine kilometertiefe Vertikalbohrung vorgenommen wird. Anschließend wird in den tiefen Gesteinsschichten ein chemisches Cocktail-Gemisch in die Böden gepresst, dass das Gestein porös werden lässt, so dass nach einer Auflösung desselbigen das Gas oder Öl abgesaugt werden kann.

2. Wie teuer ist es?

Um genau berechnen zu können, wie teuer das Fracking ist und daher auch seriöse Auskünfte über die Kosten des Fracking (Bohrungen, Chemikalien-Einsatz, Arbeitskräfte, Wasser-Einsatz, Gutachten-Erstellung) zu erteilen, müsste man die entsprechenden Unternehmen anschreiben und die Bilanzen genau studieren. Allerdings sagt einem schon der gesunde Menschenverstand, dass bei Gaspreisen in den USA, die aktuell bei etwa einem Drittel der hiesigen Preise liegen, die Fracking-Technologie günstig genug ist, um sie in kommerziellem Ausmaß einzusetzen. Weiter ist sie geeignet genug, um für niedrige Energiepreise insgesamt zu sorgen, da ein steigendes Angebot auf eine gleichbleibende Nachfrage bezogen auf den Gesamtenergieverbrauch (abhängig vom Wirtschaftswachstum) trifft. Mittlerweile ist deutlich geworden, dass der Anteil des Schiefergases und Öls am Endenergieverbrauch in den USA ansteigend ist, so dass hier auf Angebotsseite ein Boom des entsprechenden Wirtschaftssektors ausgelöst wurde. Da dieser Boom anhält, gelingt es der USA mittlerweile ihre CO2-Emissionen zu reduzieren und ihre Kohleexporte zu steigern. Übrigens nicht zuletzt auch nach Deutschland!

3. Wo gibt es die größten Vorkommen?

Abgesehen von den USA verfügen nach derzeitigem Stand mehrere Länder über mehr oder weniger große Vorkommen. Die größten Hoffnungen auf sinkende Energiepreise, höhere Steuereinnahmen und eine Verringerung der Rohstoffimporte machen sich derzeit vor allen Dingen Großbritannien und Polen. Aber auch Rumänien und die Ukraine verfügen Schätzungen zufolge über große Vorkommen. Genauso wie Frankreich, wo allerdings die Vorbehalte gegen das Fracking wegen den möglichen negativen Folgen für die Umwelt groß sind. Ähnlich sieht es in Deutschland aus. – Derzeit lässt sich für Europa lediglich sagen, dass mangels Bohrungen im großen Stil keine seriösen Schätzungen abgegeben werden können. Wie bereits beschrieben sollen die größten Vorkommen in GB, Polen und der Ukraine liegen. Dies führte zu sagenhaften Prognosen, angefangen dabei, die Energieunabhängigkeit schnell erreichen zu können bis hin zu Träumen, Exporterlöse erzielen zu können. Und das auf Sicht von Jahrzehnten!

4. Wie schlimm sind die Umweltauswirkungen?

Am eindrucksvollsten beschrieben werden die negativen Auswirkungen des Frackings in dem Dokumentar-Film Gasland. Durch die Sprengungen des Gesteins mithilfe des Gasgemisches ist es nämlich nicht ausgeschlossen, dass das giftige Gemisch ins Grundwasser gerät. Dies ist auch der größte Kritikpunkt der Umweltschützer. Es dürfte insofern einleuchten, dass das Fracking in der Nähe von Trinkwassergebieten, Flüssen, Seen und Meeren, darüber hinaus auch Naturschutzgebieten verboten werden sollte. Davon mal abgesehen sollten dem Fracking nach erfolgreichem Abschluss einer Umweltverträglichkeitsprüfung keine darüber hinaus gehenden Vorbehalte entgegengebracht werden. Es steht nämlich mit der Energieversorgung- und Sicherheit und damit letztlich mit der Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaft zu viel auf dem Spiel.

Fazit: In den vergangenen Jahren hat sich immer stärker herauskristallisiert, dass den USA mit der Entwicklung der Fracking-Technologie ein wahres Meisterstück der Ingenieurskunst gelungen ist. Es wird sich nunmehr zeigen, ob den Amerikanern dauerhaft eine Re-Industrialisierung gelingen wird, die den Wohlstand des Landes auf Jahrzehnte sichern könnte. Vor dem Hintergrund der immer noch nicht vollständig aufgearbeiteten Immobilienkrise aus den Jahren 2007-2009 und dem wachsenden Konkurrenzdruck aus China und anderen Schwellenländern, hat Amerika die Rückkehr zu alter wirtschaftlicher Stärke bitter nötig. – Immer mehr Experten und Gremien berechnen die Schätzungen der Rohstoffvorkommen neu. Ich meine hier insbesondere die Internationale Energieagentur. Es zeigt sich, dass die Erde auch einer wachsenden Weltbevölkerung genügend Öl und Gas zur Verfügung stellen kann, diese Vorkommen jedoch an immer entlegeneren Orten liegen. Da technoligische Entwicklungen die Förderung von Gas und Öl in der Arktis, der Tiefsee und wie am Beispiel des Fracking dargelegt, auch in großer Tiefe, ermöglichen, sind die Peak-Oil-Theorien nichts weiter als Panikmache. Um mich klar zu positionieren: Bis uns das Öl tatsächlich irgendwann in 50 oder 100 Jahren ausgeht, werden Technologien entwickelt, die uns von dem Öl unabhängig machen werden.

Zum Schluss: Wenn ein saudischer Milliardär die Fracking-Technologie als Bedrohung für die traditionellen Öl-Export-Länder bezeichnet, sollte man spätestens realisieren, dass die skeptischen Nachrichten, die bereits von einer Fracking-Blase sprechen, an den Haaren herbeigezogen sind.

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Powered by WordPress | Designed by Elegant Themes