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Sochi und die islamistische Bedrohung

Der Kaukasus gilt seit jeher als eine der gefährlichsten Ecken der Welt. In den vergangenen Tagen ist uns allen wieder bewusst geworden, warum das so ist. Zwei beispiellose Terroranschläge ereigneten sich in Wolgograd. Dabei wurden insgesamt ersten Schätzungen zufolge mindestens 31 unschuldige Zivilisten getötet.

Wenige Wochen vor dem Beginn der Olympischen Spiele stellt sich die Frage, ob aus friedlichen Spielen nicht etwa ein Nervenspiel wird.

Wieso die Anschläge sich in Wolgograd ereigneten, ist denkbar einfach zu erklären. Die Stadt hieß früher Stalingrad und ist bis heute Symbol des Nationalstolzes Nazi-Deutschland im Großen Vaterländischen Krieg vor 70 Jahren an Ort und Stelle die entscheidende Niederlage beigebracht zu haben. In dem also die Terroristen diese Stadt zur Durchführung ihrer gemeinen Anschläge aussuchten, kommt auch der hasserfüllte Beweggrund, Russland bis ins Mark zu treffen, zum Ausdruck.

Es steht nun zu befürchten, dass Sochi in einen Hochsicherheitstrakt verwandelt wird. Darüber hinaus stellt sich die Frage, was sich Kreml und IOC dabei gedacht haben, die Spiele in diese Region zu verlegen. Eine Region, die Peter Scholl-Latour schon vor Jahren als Schlachtfeld der Zukunft bezeichnete. Zur Erinnerung: Auch die Bostoner Marathon-Bomber kamen aus dieser Region.

4 Antworten to “Sochi und die islamistische Bedrohung”

  1. Felix sagt:

    Wieso sollen diese feigen Anschläge “beispiellos” sein? Was war in London, was in Madrid? Und auf Anschläge im Irak, Pakistan, Indien, Afghanistan um nur einige zu nennen, schauen wir schon gar nicht mehr, von Afrika ganz zu schweigen.
    Beispiellos war m.E. 09/11.
    So schlimm diese Anschläge auch sein mögen, der Krieg etwa in Syrien kostet täglich mehr Menschenleben. Auch daran haben wir uns mittlerweile gewöhnt. Die Regierungen sind längst zur Tagesordnung übergegangen.
    Wir leben in keiner schönen, friedlichen Welt. Die gibt’s nur bei Rosamunde Pilcher.

    • Beispiellos deswegen, weil die Schlacht von Stalingrad für die Wehrmacht in einem militärischen Desaster endete und den Untergang des Faschismus einleitete.
      Dafür steht die Stadt symbolisch bis heute bzw. gerade heute in einem nationalistischer werdenden Russland. Dies äußert sich bspw. in der Zusatzbezeichnung “Heldenstadt Stalingrad”, die letztes Jahr Wolgograd anlässlich der 70-jährigen Feierlichkeit der Schlacht bekam. Es erschien außerdem ein gleichnamiger 3D-Film, der diese Ereignisse inkl. dem russischen Heldentum thematisierte.

      Bei 9/11 ging es um andere Werte, Freiheit, Demokratie, wirtschaftliche Dominanz etc. weshalb die Symbolik schwer miteinander zu vergleichen ist.

      Übrigens finde ich es nicht besonders kreativ&innovativ, sprich alles andere als zukunftsorientiert, sich wie im Falle Russlands auf vergangenen Ereignissen&Siegen quasi auszuruhen. Aber es ist wichtig, die russischen Motive&Beweggründe hinter ihren Handlungsweisen zu verstehen, um vorausahnen zu können, ob Russland sich eher zu einer Sowjetunion 2.0 bzw. einem Zarenreich zurück entwickelt oder doch noch den Weg zur Demokratie schafft.

      Genau darum geht es hier in diesem Blog: Aufbrüche/Umbrüche, Reformen&Erneuerungen oder ganz allgemein den Wandel, der nicht immer positiv sein muss, zu erkennen, um nach einer Analyse die zukünftige Entwicklung antizipieren zu können.

      • Felix sagt:

        Die historische Linie, die Sie ziehen, ist interessant und habe ich nicht so gesehen.
        Zwar ist Russland ein Riesenland, aber die weitere Entwicklung – so scheint es – hängt von einem Mann ab, von Putin. Dieses Modell des “starken Mannes” lässt eigentlich nichts Gutes erwarten, was eine Demokratisierung anbelangt. Da gibt es Parallelen zur aktuellen Entwicklung in der Türkei. In beiden Ländern gibt es den starken Mann und eine größer werdende städtische Protestbewegung.
        Wer nach Abtritt dieser zentralen Figuren dann das Machtvakuum füllen wird, ist kaum vorherzusagen.

  2. Ja, wie bereits umrissen: In Russland spielen historische Ereignisse eine große Rolle.

    So wurde erst vor einigen Jahren ein neuer Nationalfeiertag eingeführt, bzw. wieder eingeführt: Am 4.11. wird der “Tag der Einheit des Volkes” gefeiert. An diesem Feiertag wird an das Ende der litauisch-polnischen Besatzung im Jahr 1612 erinnert.

    Was weder Hitler noch Napoleon gelang (ich bin kein Historiker, laut wikipedia nahmen die Franzosen scheinbar doch für kurze Zeit Moskau ein, die Russen setzten die eigene Hauptstadt darauf hin in Brand), das schaffte die polnisch-litauische Union im 15. Jahrhundert, nämlich Moskau zu erobern.

    So etwas vergessen die Russen nicht und es ist wohl auch eine Erklärung dafür, warum es in späteren Jahrhunderten zu mehreren Teilungen Polens kam, darüber hinaus auch zu der kommunistischen Besatzung (nicht nur in Polen&Litauen, aber natürlich auch).

    Die Geschichte Osteuropas zeigt, dass es all zu oft hin und her ging.

    Das Tauziehen um die Ukraine zwischen Russland und der EU zeigt, dass dieser Vorgang noch nicht abgeschlossen zu sein scheint.

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