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Hat der Mossad Yassir Arafat auf dem Gewissen?

Letzten Mittwoch bestätigte die palästinensische Autonomiebehörde (PLO), gestützt auf jüngste Untersuchungsergebnisse eines schweizerischen Wissenschaftler-Teams, dass der ehemalige Palästinenser-Führer und Friedensnobelpreisträger Yassir Arafat nicht eines natürlichen Todes verstarb, sondern mit dem radioaktiven Gift Polonium zur Strecke gebracht wurde. Die Wissenschaftler erklärten, dass die gemessenen Polonium-Werte bei Arafat diejenigen eines Durchschnittsmenschen um das bis zu 36-fache überstiegen. Zu diesem Ergebnis kamen die Schweizer, nachdem sie Knochenmaterial untersuchten. Arafat wurde also auf ähnliche Weise ermordet wie der ehemalige KGB-Agent Litwinenko.

So oder so ähnlich lauten die Meldungen zu Arafats Todesgrund im Jahr 2004, die in den vergangenen Tagen in den Medien über den Ticker liefen.

Es stellt sich nunmehr die Frage, wer hinter dem feigen Mord steckt? Die einzigen Staaten, die ernsthaft mit dem gefährlichen Element experimentieren, sind die USA, Russland und Israel. Jedenfalls wenn man dem bekannten Nahost-Experten und Israel-Kritiker Richard Silverstein Glauben schenken mag. Konsequent spekuliert dieser auch über die Hintergründe der Ermordung. Weil weder die USA noch Russland irgendein Interesse am Tod Arafats hatten, kommt nur Israel selbst in Gestalt des Auslandsgeheimdienstes Mossad in Frage.

Will man seriös über den israelisch-palästinensischen Konflikt berichten, kommt man nicht umhin, ein wenig über die Geschichte in Erfahrung zu bringen. Nachdem die Juden in der Diaspora nicht glücklich wurden, siedelten im Verlauf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer mehr nach Israel über. Dort wurden sie jedoch nicht mit Freude empfangen, sondern ganz im Gegenteil: Dem jungen Staat wurde mit der Gründung der Krieg erklärt. In dem Unabhängigkeitskrieg setzte sich Israel letztlich durch. Genau wie in allen militärischen Folgekonflikten wie bspw. dem Yom-Kippur-Krieg, der sich dieses Jahr zum 40. Mal jährte, so dass der israelische Staat dieses Jahr seinen 65. Geburtstag feiern konnte.

Phasen bewaffneter Konflikte wechselten sich mit Phasen der Entspannung und der Diplomatie ab. 1995 kam es im Oslo-Abkommen zu einer weitgehenden Einigung zwischen Israel, vertreten durch den Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin und der PLO vertreten durch Palästinenser-Führer Yassier Arafat. Beide erhielten für ihre Bemühungen rund um den Friedensprozess den Friedensnobelpreis. Es schien als könnte der komplizierte Konflikt ein für alle Mal gelöst werden, bis es jedoch zu einem mörderischen Attentat auf Rabin kam, durchgeführt von einem jüdisch-orthodoxen Fundamentalisten.

Seit dem stockt der Friedensprozess. Im Jahr 2000 kam es zur zweiten Intifada. Raketenabschüsse und Angriffe durch die palästinensische Terrororganisation Hamas auf der einen Seite, sowie der fortgesetzte Siedlungsausbau auf der anderen Seite führten dazu, dass Frieden zwischen den Parteien in weite Ferne gerückt ist.

Und nun kommen also noch die Spekulationen zu Arafats Tod hinzu. Sollten sich die Vermutungen um eine Beteilung des Mossads bewahrheiten, dann würde das das vorläufige Aus für sämtliche Friedensbemühungen bedeuten. Ob eine solche Beteiligung je bewiesen wird, wage ich zu bezweifeln. Bis zur Erbringung des Beweises halte ich es für eine weitere Verschwörungstheorie. Genauso gut könnte man auch behaupten, dass auf Seiten der Palästinenser ein Interesse dran besteht, dass sich am status quo nichts ändert. Mit horrenden Beträgen wird das kleine Volk bei Laune gehalten, Unsummen versickern unkontrolliert in dunklen Kanälen. Die Korruption ist allgegenwärtig. Kein Profiteur hat ein Interesse daran, dass sich daran alsbald etwas ändert.

Ob der Mossad den Palästinenser-Führer also auf dem Gewissen hat, lässt sich derzeit nicht abschließend beurteilen. Sicher ist jedoch, dass es auf beiden Seiten Profiteure der derzeitigen Situation gibt, die an einer Verbesserung der Lage nicht interessiert sind, weil ihre politische Unfähigkeit und Inkompetenz bewiesen wäre, mithin ihre Existenzgrundlage zunichte wäre. Solange es also auf beiden Seiten kein ernsthaftes Bemühen gibt, bleibt es fragwürdig, wieso das reiche Europa Unsummen in das Konfliktgebiet überweist und dadurch solch absurden Projekte, wie Arafats Mausoleum, die Anschubfinanzierung ermöglicht. Dem um eine Lösung des israelisch-palästinensischen Konfliktes bemühten US-Außenminister John Kerry, haben die Schweizer Wissenschaftler mit ihren Untersuchungsergebnissen jedenfalls keinen Gefallen getan.

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