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Warum ist das Nabucco-Pipeline-Projekt gescheitert?

Eine Diversifikation der Energieversorgung ist im ureigensten Interesse Europas. Bislang wird ca. ein Viertel des in Europa benötigten Erdgases aus Russland importiert. Gazprom hat sich dadurch in den vergangenen Jahren zu einem milliardenschweren Rohstoff-Unternehmen entwickelt.

Außer der durch Osteuropa führenden Jamal-Pipeline wird das Gazprom-Gas mittlerweile auch durch die Nord Stream-Pipeline nach Deutschland transportiert. Ex-Kanzler Gerhard Schröder, dem nachgesagt wird mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin befreundet zu sein, hat diesen Deal eingefädelt. Geplant und im Bau befindlich ist eine weitere Gas-Pipeline, South Stream, die über das Schwarze Meer geleitet werden soll und Osteuropa mit russischem Gas versorgen soll.

Doch sowohl Nord Stream- als auch South Stream zementieren die Abhängigkeit Europas von russischem Gas lediglich.

Das sehen Energieunternehmen wie RWE, die österreichische OMV, aber auch die EU und ihre Kommission nicht anders. Und so war es nur folgerichtig, dass mit der Nabucco-Pipeline jahrelang ein Prestigeprojekt forciert wurde, mithilfe dessen Erdgas aus Aserbaidschan und damit dem Kaspischen Meer bis nach Zentraleuropa transportiert werden sollte. Anbindungen weiterer Pipelines und Gaslieferungen von Kasachstan und Turkmenistan aber auch aus dem Irak (Kurdistan) und Iran schienen im Bereich des Möglichen. Prominenter Unterstützer dieses ambitionierten Projektes war Ex-Bundesaußenminister Joschka Fischer.

Doch wie seitens der Medien berichtet wird, erhält das Nabucco-Konsortium morgen nicht den Zuschlag der aserbaidschanischen Regierung für den Bau der Pipeline und damit die Lieferung nach Österreich.

Ein Statement Joschka Fischers habe ich im Internet noch nicht recherchieren können. Ob mit dem Alternativ-Projekt TANAP+TAP die gleiche Diversifikation des Versorgungsmixes gewährleistet werden kann, ist derzeit noch fraglich.

Manchmal platzen Wunschträume auch mal! – Gazprom und der Kreml hatten von Anfang an kein Interesse am Erfolg des Projekts. Doch neue Technologien wie das vor allen Dingen in den USA eingesetzte Fracking, mithilfe derer die USA seit einigen Jahren in der Lage ist ihre gigantischen Schiefergas- und Schieferölvorkommen auszubeuten, haben das Angebot an Rohstoffen auf den Weltmärkten vergrößert. Der Begriff “game changer” fällt in diesem Zusammenhang. Fraglich ist nun, ob und wenn ja, wie viel Gas die USA exportieren wird. Das Gas heutzutage nicht allein durch Pipelines transportiert wird, zeigt das Beispiel Katar. Das kleine Land auf der arabischen Halbinsel ist mit seinen Gas-Exporten reich geworden. 2022 soll die Fußball-WM ausgetragen werden. Doch auch Israel könnte ein wichtiger Player auf den weltweiten Gasmärkten werden. Derzeit verhandelt die israelische Regierung mit seinem gemäßigten Nachbarland Jordanien über einen entsprechenden Gas-Deal. Fraglich ist, ob Polen und die Ukraine auf absehbare Zeit ihre vermuteten Schiefergas-Vorkommen ausbeuten können werden.

Die Meldungen zeigen, dass selbst Energie-Riesen wie Gazprom vor schwierigen strategischen Entscheidungen und Zeiten stehen, hier, hier und hier.

Die Frage, warum das Nabucco-Projekt letztlich gescheitert ist, kann ich derzeit nicht abschließend beantworten. Vor dem Hintergund neu entwickelter Technologien, die es einzelnen Staaten ermöglichen, schwer zugängliche Vorkommen auszubeuten und den dadurch schon jetzt gesunkenen Preisen an den Spot-Märkten, könnten allein die hohen Kosten des Projektes zum Scheitern geführt haben.

Fazit: Der Energiemarkt bleibt spannend und im Wandel.

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  1. Israels goldene Gas-Zukunft | Welt im Wandel - […] überlassen, sondern selbst dafür zu sorgen, dass die Energieversorgung sich verbessert. Wie man am Beispiel der Nabucco-Pipeline sieht, sollte …

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