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Julian Assange – ein lupenreiner Antisemit?

Die New York Times veröffentlichte am Samstag einen Artikel von Julian Assange. Mich wunderte dies, war ich doch der Meinung, dass der digitale Rebell von den traditionellen Medien des amerikanischen Establishments gemieden wird. Man möchte dem Staatsfeind Nr. 1 der USA nicht noch eine Plattform für seine Gedanken und Thesen bieten, nachdem dieser wie kaum ein anderer die Weltmacht mit seiner whistleblower-Plattform Wikileaks gedemütigt hat, dachte ich.

Doch weit gefehlt! Assange, der den Instanzenzug durch die britische Gerichtsbarkeit verlor und seither in der ecuadorianischen Botschaft in London festsitzt, hat offensichtlich mächtige Freunde und Unterstützer.

Assange greift in dem NYT-Artikel erneut an. Wen wundert es auch. Er attackiert eines der us-amerikanischen Vorzeigeunternehmen: Google. Konkret wirft er dem Internet-Unternehmen einen technokratischen Imperialismus vor.

Viel interessanter finde ich aber die Überschrift, die Assange für seinen Artikel ausgewählt hat. “The Banality of ‘Don’t be Evil’” – “Don’t be evil” ist bekanntlich das klassische google-Motto. “The Banality of Evil” hingegen ist der wohl bekannteste Spruch von Hannah Arendt, einer deutsch-jüdischen Philosophin des 20. Jahrhunderts. Den Spruch prägte sie, als sie 1961 in Jerusalem den Prozess gegen Adolf Eichmann als Journalistin und Prozessbeobachterin verfolgte. Arendt war irritiert von dem biederen und technokratischen Auftritt Eichmanns. Einen blassen und schmächtigen Mann fand sie vor, der nun so gar nicht zum Bild eines psychopathischen und menschenverachtenden Massenmörders passte, der er als Architekt des Holocausts nun mal war. Heftig umstritten ist ihre These von der Banalität des Bösen als Beschreibung Eichmanns bis heute, insbesondere in jüdischen Kreisen, die eine Verharmlosung der Ereignisse im dritten Reich in Arendts Thesen sehen.

Wenn Assange nun diesen berühmten Spruch wählt um ein innovatives Technologieunternehmen zu beschreiben, dann weiß er genau was er tut. Er macht sich auf widerwärtige Weise über die Opfer der NS-Diktatur lustig und schießt komplett am Ziel vorbei, wenn es darum geht google als das zu beschreiben, was es ist: eine Suchmaschine, die mit ihren Produkten Geld verdienen möchte.

Mich wundert es vor diesem Hitergrund, dass die angesehene New York Times den Artikel publizierte.

Da fällt mir ein Satz der berühmten jüdisch-amerikanischen Comedienne Sarah Silverman ein: “I’m worried of Jews losing control about media!” – Das wird es wohl sein, scheinbar haben die Juden tatsächlich die Kontrolle über die Medien verloren.

Assange muss sich den Vorwurf des Antisemitismus schon länger gefallen lassen.

Viel unkritischer sehe ich allerdings die Veröffentlichungen der whistleblower-Plattform im Hinblick auf die Diskussion um den seit Ewigkeiten nicht voran kommenden Friedensprozess im Nahen Osten. Mag sein, dass der Autor dieses Haaretz-Artikels recht hat und westliche Regierungschefs tatsächlich überfordert sind, diesen komplexen Streit zu einer gütlichen Lösung zu führen. Ari Shavit spricht jedoch von Verlogenheit und philosphiert darüber, ob nun der Iran mit seinem Bestreben Atomwaffen bauen zu wollen oder doch eher Israel mit den Siedlungen Kern des stockenden Friedensprozesses ist. Als wäre es irgendetwas Neues, dass sich einerseits die Muslime untereinander (Schiiten gegen Sunniten) und die Juden andererseits im Nahen Osten nicht verstehen wollen oder können.

Wer weiß wie lange die Stockholmer Staatsanwaltschaft noch auf Assange warten muss. Erstmals äußerte sich eines der mutmaßlichen Opfer. Derweil hat der Prozess gegen den Geheimnisverräter Bradley Manning bereits begonnen.

to be continued.

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