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Was hat Volker Kauder mit dem Clash of Civilizations zu tun?

Jahr für Jahr veröffentlicht das 1955 gegründete christliche Hilfswerk Open Doors den sogenannten Weltverfolgungsindex. Ziel des überkonfessionellen christlichen Hilfswerks ist es, auf die zum Teil dramatische Situation unzähliger Christen in einigen Staaten aufmerksam zu machen und der Öffentlichkeit vor Augen zu führen, welch existentiellen und zum Teil lebensbedrohenden Problemen sich Christen allein aufgrund ihres Glaubens in einigen Ländern gegenübergestellt sehen. Dabei listen die engagierten Christen von Open Doors diejenigen 50 Staaten in dem Index auf, in denen die Situation für die Christen am bedrohlichsten ist. Interessant dabei ist, dass das Netzwerk das traditionelle Fisch-Symbol als Wappen benutzt. Bekanntlich diente das schnell zu zeichnende Fisch-Symbol schon den Ur-Christen vor zwei tausend Jahren als Erkennungssignal. In den ersten Jahrhunderten galt das Christentum nämlich noch als Sekte, was zur Folge hatte, dass diese christlichen Vorfahren sich, wie die Christen, die in den heutigen in den Ländern leben, die in dem Index aufgezählt sind, der Schikane und Verfolgung ausgesetzt gesehen haben. So kam es in Rom, dem prominentesten Beispiel, in den ersten Jahrhunderten, zu massiven Christenverfolgungen. Das Fisch-Symbol, das nur Christen bekannt war, diente daher all denjenigen, die sich vor der Verfolgung in Sicherheit bringen wollten als Hinweis, dass sie sich hier in Sicherheit befinden. In Rom sind in erster Linie die unterirdischen Katakomben zu erwähnen. Übrigens weiß ich das alles deshalb so genau, weil mein bereits verstorbener Großonkel Hieronymus Piksa als katholischer Geistlicher lange Jahre Touristen Führungen in diesen Katakomben anbot und so nicht zu letzt auch deutschen Christen die Geschichte der Christenverfolgung näher brachte.

In diesem Video-Clip nun äußern sich einige Geistliche, Medienleute und zu guter letzt Volker Kauder, seinesgleichen aktueller Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im deutschen Bundestag zu der Arbeit von Open Doors und dem aktuellen Index. Die Arbeit ist äußerst wertvoll. Das sieht auch Volker Kauder, der recht unzweideutig, in seinem Statement darüber spricht, den Index in seiner Arbeit mit internationalen Partnern zu verwenden und ihn zur Orientierung bei anstehenden Auslandsreisen zu verwenden, nicht anders.

Jedoch darf durchaus auch erwähnt werden, dass der Index, ganz allgemein gesprochen, kaum einen neuen Erkenntnisgewinn zu tage fördert. Denn wie aus meiner langen Vorrede ersichtlich ist, ist es nun mal leider Gottes so, dass sich die Christen seit ihren Gründungstagen der Verfolgung ausgeliefert sehen. Nichtsdestotrotz ist es immer wieder von Neuem wichtig, auf die untragbare Situation der Christen und ihrer Verfolgung in vielen Ländern aufmerksam zu machen, logisch.

Was die armseligen Christenverfolgungen eindeutig zeigen, ist eines: Es gibt weltweit in vielen Regionen eine Tendenz zur Diskriminierung der Christen. Meist geschieht dies in denjenigen Ländern, in denen die Christen eine religiöse Minderheit bilden. Wie der Clip zum Weltverfolgungsindex zeigt, finden in vielen islamisch geprägten Ländern Christenverfolgungen statt. Damit handelt es sich dabei um einen klassischen Konflikt zwischen den dort dominierenden Muslimen und den Christen, wie er in vielen Ländern vorherrscht. Um in gewisser Weise für Verständnis, zumindest ein Grundverständnis, für die Muslime zu werben, ohne jedoch die den Konflikt verursachenden islamistischen Haupttreiber in Schutz nehmen zu wollen, sei gesagt, dass ein Teilbeitrag so manch eines Konfliktes durchaus in gewissen kriegerisch geführten außenpolitischen Maßnahmen gesehen werden kann. So muss eindeutig gesehen werden, dass die Irak- und Afghanistan-Kriege nicht nur von Amerikanern und ihren Verbündeten geführte Kriege sind, sondern auch Kriege von Christen aber auch von den sog. Ungläubigen, gegen die Muslime selbst und damit den Islam. Ich möchte hier nicht falsch verstanden werden. Meine Ausführungen sollen nicht als Kritik der US-Außenpolitik verstanden werden. Es geht mir einzig und allein um einen Wechsel der Sichtweise. Dieser Wechsel der Sichtweise ist nämlich dringend nötig. Die Internetseite „Politically Incorrect“, die sich die Islam-Kritik, die in Teilen eine absolute Berechtigung hat, auf die Fahne geschrieben hat, wurde nämlich mittlerweile schätzungsweise, wenn auch nach Angaben der Seitenbetreiber, 275 Millionen Mal aufgerufen. Da diese Internetseite deutschsprachig ist, muss man nur eins und eins zusammenzählen, um zu erahnen, dass die meisten Besucher aus Deutschland, Österreich und dem deutschsprachigen Teil der Schweiz stammen. Die in all diesen drei Ländern dauerthematisierte Integration der immer größer werdenden muslimischen Minderheit in Europa, tut sicherlich ihr Übriges, um die Aufmerksamkeit auf diese uns in weiten Teilen unbekannte Kultur und Religion zu lenken.

Um es jedoch ein wenig abzukürzen: Es gibt berechtigte Kritik am Islam und zwar schon allein aus dem Grund, weil es wie der Weltverfolgungsindex zeigt, massive Verfolgungsaktionen in den islamisch dominierten Ländern gibt. Allerdings habe ich versucht kurz darzulegen, wie die Sichtweise der Muslime, ohne jemals persönlich ein islamisch geprägtes Land bereist zu haben, aussehen könnte.

Worauf ich hinaus will ist aber, dass es aus meiner Sicht in Europa eine wachsende Stimmung gegen den Islam gibt, die begleitet wird von einem wachsenden Antisemitismus in vielen europäischen Ländern. Beide Phänomene habe ich in diesem Blog aber auch auf meiner facebook-Seite und auf meiner twitter-Seite mehrmals angesprochen. Zu dieser antijüdischen und antiislamischen Stimmung gesellt sich darüber hinaus auch eine tendenziell sowohl quantitativ als qualitativ immer aggressivere Stimmungsmache gegen das Christentum in Europa selbst. Zusammenfassend herrscht in Europa also durchaus in einer nicht zu unterschätzenden Anzahl an Menschen eine antireligiöse Grundeinstellung. Mit anderen Worten und salopp formuliert geben nicht viele Atheisten etwas auf die in Deutschland im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit.

Womit ich meinen Kerngedanken formulieren möchte, der da lautet, dass es in Europa eine wachsende Stimmung des gegenseitigen Misstrauens, der gegenseitigen Entfremdung und des gegenseitigen Unbehagens gibt. Diese negative Grundhaltung führt wiederum zu Konflikten, die letztlich, und darauf wollte ich hinaus, als Erfüllung der von Samuel P. Huntington bereits im Jahre 1993 geäußerten „Prophezeiung“ angesehen werden kann. (Auf andere Konflikte möchte ich an dieser Stelle zunächst nicht eingehen.) Samuel P. Huntington hat 1993 in einer umfassenden Studie, die er später als Buch „Clash of Civilization“ publizierte, folgenden Grundgedanken, von mir gerade eben als eine Art „Prophezeiung“ charakterisiert, formuliert: Nachdem es im 19. Jahrhundert zu Konflikten und Kriegen zwischen Nationalstaaten kam, und nach dem es im 20. Jahrhundert zu Konflikten und Kriegen zwischen den Vertretern totalitär-ideologischer Weltanschauungen kam, ist es nunmehr durchaus vorstellbar und auch realistisch, dass es im 21. Jahrhundert zu Konflikten zwischen den Angehörigen von Religionen und Kulturen kommen wird, die im schlimmsten Fall gar in eine ganze Serie von Kriegen münden könnten.

Der renommierte Professor der elitären Harvard-Universität, der dort jahrzehntelang lehrte, wurde für seine Thesen und Voraussagen zum Teil heftig kritisiert, zum Teil aber auch sehr gelobt. So muss man wissen, dass Huntington unter dem ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush, wichtiger Berater des US-Außenministeriums war. Ob Huntington inspirierend auf das außenpolitische Vorgehen der Bush-Administration einwirkte oder ob er gar maßgeblicher intellektueller Architekt des außenpolitischen Vorgehens war, kann ich nicht sagen. Was ich jedoch sagen kann ist, dass sich spätestens mit dem Anschlag auf die Zwillingstürme in New York, dem anschließenden Afghanistan-Krieg und dem Irak-Krieg, auch wenn dieser aus anderen Gründen geführt wurde,  Huntingtons Thesen und Prognosen vom Clash of Civilizations letztlich noch zu dessen Lebzeiten erfüllten.

Wenn man nun noch einen weiteren seit Ewigkeiten andauernden Konflikt, nämlich den Israel-Palästina-Konflikt, mitberücksichtigt, dann dürfte jedem einleuchten, dass sich seine Vorhersagen, schon bei der Erstellung als eingetreten erwiesen haben. (Man könnte auch sagen, dass es sich hierbei um eine Art self-fulfilling-prophecy handelt.) Der Israel-Palästina-Konflikt ist bekanntlich auch nichts anderes als ein Konflikt zwischen den Angehörigen des Judentums und seiner Kultur und den Angehörigen des Islam und dessen Kultur. Die Erkenntnis ist so langweilig, dass sie niemanden ernsthaft überraschen dürfte.

Summa summarum hat Huntington also unbestreitbar recht behalten. Es gibt eine ganze Reihe an Konflikten zwischen den Mitgliedern verschiedener Kulturkreise. Allerdings sollte die einzig richtige Erkenntnis und Schlussfolgerung sein, sich, darauf basierend, den vielen hasserfüllten Tendenzen und Phänomen entgegenzustellen und für gegenseitigen Respekt und Toleranz zu werben. Wie das auf europäischer Ebene, also international-außenpolitisch umgesetzt, aussehen könnte, skizzierte Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder unjüngst in einem Gastartikel für eine Tageszeitung (einen Online-Link gibt es nicht). Darin sprach sich der Altkanzler für einen baldigen EU-Beitritt der Türkei aus.

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