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Internetkommunikation – Frust, Zynismus, Rassismus & Herdenverhalten

Im Internet wird verdammt viel diskutiert. Es gibt unzählige Blogs, Foren und virtuelle Chaträume. Hinzu kommt, dass die meisten Nachrichtenportale ihren Artikeln die Möglichkeit Kommentare abzugeben, anfügen. All diese neuen Kommunikationstechnologien werden auch rege genutzt. Ich schließe mich da gar nicht aus. Auch ich blogge und nutze täglich twitter und facebook. Dabei beachte ich stets die Netiquette. Beleidigungen, rassistische oder diskriminierende Äußerungen sind genauso zu unterlassen wie digitales Mobbing, Verleumdungen, üble Nachrede etc. – Doch das tut bei weitem nicht jeder. Im Gegenteil. Polemische Äußerungen haben längst Überhand genommen im world wide web. Mit am krassesten ist es wohl bei politischen und wirtschaftlichen Themen. Aber auch sämtliche Neuigkeiten rund um das Thema „Integration“ werden bisweilen mit einer unsachlichen Emotionalität diskutiert. Hier noch von einer Schwarmintelligenz zu sprechen grenzt an Zynismus bzw. Realitätsverweigerung.

Hass-Netzwerke wie das Portal „Politically Incorrect“ werden millionenfach angeklickt. Was dort kommuniziert wird geht auf keine Kuhhaut. Haben sich die User erst einmal unter einem Pseudonym eingeloggt, dann steigert sich die Internetherde gelegentlich regelrecht in Hass-Orgien unvorstellbaren Ausmaßes hinein. Alle sind schuld an der eigenen Miesere und dem Unvermögen sich am eigenen Schopf herauszuziehen. Und so wird über Politiker genauso leidenschaftlich geschimpft wie über den Raubtierkapitalismus. Eine sozial ausgewogene höchstrichterliche Rechtsprechung wird zum Anlass genommen „Arbeit lohnt sich nicht!“-Parolen zu skandieren. Neueste Steuer-CDs aus der Schweiz sind der Beweis für eine Zweiklassen-Gesellschaft, in der jeder mit dem nötigen Kleingeld Steuerschlupflöcher sucht oder alternativ größeres Vermögen gleich in Niedrigsteuerländer transferiert. Es gibt immer jemanden, auf den man mit dem Finger zeigen kann. Gerne wird auch auf völlig außer Kontrolle geratene Finanzmärkte geschimpft und deren sich gegenseitig zerfleischende Akteure wie Hedgefonds, Private-Equity-Unternehmen, Banken, Ratingagenturen und dergleichen. Unabhängig davon welche Bank gerade mit neuen Skandalen aufwartet, sie wird mit Hohn und Spott überschüttet. Doch nicht jede Kritik ist kopf- und sinnlos. Maßlosigkeit und ein verlorengegangener Sinn für ethisches und verantwortungsbewusstes Handeln erschüttern zweifelsohne die Grundfesten der Wirtschaft und der Gesellschaft.

Doch ich beobachte mit großer Sorge wie sich zwischenmenschlicher Hass immer wieder in neuen zum Teil schrecklichen Handlungen widerspiegelt. Immer noch steckt uns allen das Entsetzen in den Gliedern, als herauskam, dass jahrelang ein Neonazi-Trio in Deutschland umherziehen konnte und wahllos griechische und türkische Kleinunternehmer ermordete, 9 an der Zahl. Zu allem Überfluss stellte sich heraus, dass Behörden wie der Verfassungsschutz lahmarschig agierten als rigorose Ermittlungsmaßnahmen hätten erfolgen sollen und täuschten, tricksten und tarnten als die ganze NSU-Mord-Serie aufflog. Bis heute wird nach den Gründen dieses völligen Versagens der Behörden in einem eigens hierfür eingerichteten Untersuchungsausschuss gesucht. Ob die Wahrheit jemals ans Licht kommt, darf angezweifelt werden. Dabei wäre eine lückenlose Aufklärung der grauenvollen Mordserie conditio sine qua non, um verlorenes Ansehen im Ausland wiederzugewinnen.

Emotional mindestens genauso aufwühlend war der feige terroristische Anschlag auf eine Gruppe norwegischer Jugendlicher durch den Rassisten Anders Breivik. 77 Menschen ermordete der Geisteskranke vor knapp zwei Jahren, wofür er mittlerweile im Gefängnis einsitzt. Dabei ließ sich bei dem Täter ein unvorstellbarer Hass konstatieren. Breivik hinterließ ein perfides und zynisches Manifest, in dem er auf 1515 Seiten darlegte, weshalb Europa von allen Muslimen gesäubert werden müsse. Erschreckend kam hinzu, dass er in seinem Schriftwerk bisweilen berühmte politische Publizisten zitierte, bspw. Henryk M. Broder. Ranghohe Politiker, Denker und Intellektuelle haben Respekt vor dessen Einschätzungen zu Themen wie Integration, Status-Quo politischer Institutionen und dem Nahost-Konflikt.

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