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Peter Scholl-Latour

Ich lese aktuell zwei Bücher von Peter Scholl-Latour, „Die Welt aus den Fugen“ und „Arabiens Stunde der Wahrheit“. Scholl-Latour, der nächstes Jahr 90 wird, holt insb. in letzterem Buch zu einem umfassenden  historischen Rundumschlag aus und verknüpft seine enormen historischen Kenntnisse mit unzähligen persönlichen Reiseerlebnissen und den aktuellen Geschehnissen in Arabien und den anderen muslimisch dominierten Ländern. Ich möchte hier einige Aussagen und Erkenntnisse wiedergeben, die von allgemeinem Interesse sein sollten.
Peter Scholl-Latour kritisiert in seinen Büchern sehr häufig das außenpolitische Vorgehen des Westens, allen voran der USA, was ihm mitunter auch den Vorwurf des Antiamerikanismus einbrachte. Kriege wie diejenigen in Afghanistan und dem Irak, die auch unter dem Vorwand Demokratie und Menschenrechte zu fördern und zu verbreiten, vorangetrieben werden, betrachtet er skeptisch. Gerne wirft er dem Westen Heuchelei vor, wenn bspw. in Guantanamo Menschenrechtsstandards von den USA nicht eingehalten werden. Überhaupt wirbt Scholl-Latour gerade im Zusammenhang mit den beiden Kriegen für mehr Empathie mit den Arabern und Muslimen. Eine Arroganz und Überheblichkeit gekoppelt mit der Ignoranz vor historischen und kulturellen Besonderheiten führen seiner Meinung nach immer wieder zu fatalen Entscheidungen, unzählige nachrichtendienstliche und militärische Einsätze, deren Erfolge zweifelhaft sind bestätigten ihn in seiner Einschätzung.
Ich verzichte an dieser Stelle darauf Beispiele zu nennen. Fest steht jedoch: Scholl-Latour ist ein mutiger Mann, der sich im Verlaufe der Jahrzehnte den Respekt vieler islamischer Führer verdient hat. Mithin sollte man seine Warnungen und Ratschläge ernst nehmen. Und so komme ich zu einem interessanten Gedankenexperiment und zu der Frage, die aufgeworfen werden kann, um eine gewisse Grund-Empathie für die Muslime zu entwickeln, nämlich konkret, wie wir in Deutschland wohl reagieren würden, wenn in Europa die muslimischen Araber einmarschiert wären? Alliierte Militäreinheiten sind derzeit noch in Afghanistan stationiert und waren bis vor kurzem noch im Irak. Angenommen zwei Nachbarländer Deutschlands wären auf diese Weise besetzt. Wie würden wir wohl reagieren?
Dieser Vergleich soll kurz zeigen, dass es bei der Betrachtung und Analyse außenpolitischer Entscheidungen und Vorgehensweise keine Denkverbote geben sollte. Es gibt Gründe, wegen derer gerade Afghanistan und der Irak mit militärischer Präsenz  des Westens zurechtkommen mussten und müssen, klar. Da wäre an erster Stelle der Kampf gegen den Terror zu nennen, der nach den Anschlägen auf das World Trade Center aus emotional nachzuvollziehenden Gründen begann, spätestens an zweiter Stelle folgt aber der Kampf um Rohstoffe und die eigene Versorgungssicherheit, nicht zuletzt die Demonstration militärischer Macht in einer Region, die sich in geografischer Nähe zu Russland und China befindet.
Interessant werden die Militäroperationen im Nahen Osten und am Hindukusch, wenn man Samuel P. Huntingtons Buch „Clash of Civilizations“kennt. Der bereits verstorbene Politberater entwirft darin die These, dass die Welt im 21. Jahrhundert in eine Serie von Religionskriegen schlittert, die im schlimmsten Fall gar in einem 3. Weltkrieg münden könnten. Wenn Huntington uns also religiös-kulturelle Konflikte voraussagt, sollte man bei aller Schwarzmalerei, die er betreibt, hellhörig werden. Denn letztlich war er zu Zeiten der Präsidentschaft George W. Bushs, ein enger außenpolitischer Berater dessen Administration. Insofern war er sicherlich ein inspirierender Intellektueller, der seinen Einfluss geltend machen konnte, ob er ein Architekt der Bush’schen Außenpolitik war, kann dahingestellt bleiben. Fakt ist aber, dass aus muslimisch-arabischer Sicht, das Christentum und dessen Söhne und vereinzelt auch Töchter im Orient als Soldaten präsent sind. Natürlich nicht nur, der Umstand, dass eine nicht unbeträchtliche Anzahl an Soldaten atheistisch ist, macht meine Betrachtungsweise jedoch nicht falsch. So haben wir also bereits wenn man so will zwei Religionskriege im Huntigton’schen Sinne! Nimmt man nun noch den jüdisch-muslimischen Dauerkonflikt mit dazu, dann ist man geneigt, Huntingtons These bestätigt zu wissen.
Allerdings sehe ich das trotzdem anders. Gerade vor dem Hintergund, dass die USA aus dem Irak bereits abzogen sind und vor dem für das Jahr 2014 anstehendem Rückzug der Truppen aus Afghanistan, zeigt sich, dass dunkle und schwarzmalerische Prognosen mit äußerster Vorsicht zu genießen sind.
Scholl-Latour jedenfalls ist der Meinung, dass der Westen mit seinem rabiaten Vorgehen durchaus mehr Glück als Verstand hat. Einerseits sind abendländisch-christliche Truppen im tiefsten Arabien stationiert, andererseits jedoch kam es bspw. in den USA seit 9/11 nicht mehr zu weiteren Terroranschlägen, die man realistischerweise durchaus hätte annehmen können, wenn man sich nochmal mein durch die Lektüre der Scholl-Latour’schen Bücher inspiriertes Gedankenexperiment von oben vergegenwärtigt und sich vorstellt, dass arabisch-muslimische Truppen in Europa stationiert wären. Aber Scholl-Latour zieht an dieser Stelle aus meiner Sicht ein wenig voreilige Schlüsse, wie man gerade an neueren Entwicklungen wie den Unruhen rumd um das im letzten Jahr veröffentlichte Mohammed-Video sieht oder aber an aktuell veröffentlichten Drohvideos gegen die USA und Deutschland. Und so ist der Kampf gegen den Terrorismus mitnichten gewonnen, wie die scheidende US-Außenministerin Hillary Clinton aktuell richtigerweise konstatiert. Im Gegenteil, die reale Bedrohung wird uns weiterhin beschäftigen. Jedenfalls mutet Scholl-Latours weitere Erkenntnis, problematischer für den Westen oder zumindest Teile des Westens, wäre nicht so sehr der Terrorismus, sondern viel eher die Demografie, etwas bizarr an. Gleichwohl beobachtet Scholl-Latour richtigerweise, eine Zunahme des Anteils der Muslime an der  Weltbevölkerung, so auch in unseren Breiten. Die Geburtenraten muslimischer Frauen übersteigen diejenigen westlicher Frauen unbestreitbar zum teil um ein Vielfaches. Ob dieser Trend allerdings auf Jahrzehnte hinaus fortgeschrieben werden kann, darf durchaus in Frage gestellt werden kann, zu mal er auch für Panikmache und vorurteilsbehaftete Hetze gegen die Muslime taugt.
Aber Scholl-Latour wäre nicht Scholl-Latour wenn er nicht auch kritische Äußerungen zum Islam tätigen würde. „Mohammed war ein Kriegs- und Feldherr. Das dürfen wir nie vergessen.“ schreibt er an einer Stelle. Mehrmals betont er, dass der Ijtihad, eine Form der Auslegung des Islam, der zufolge moderne gesellschaftliche Entwicklungen mitberücksichtigt werden sollen, sich längst nicht durchgesetzt habe. Gemäß der Scharia, haben Aussagen von Frauen vor Gericht nur die Hälfte des Wertes verglichen mit der Aussage eines Mannes. Aber auch nur dann, wenn der Mann Muslim ist. Gerichtlich verwertete Aussagen von Christen und Juden zählen ebenfalls nur die Hälfte. Es gäbe sicherlich noch eine Reihe weiterer Beispiele dafür, belegen zu können, warum der Islam eine rückständige Religion ist.
Allein man sollte nicht den Fehler machen und die Integration der muslimischen Bevölkerung in Deutschland und natürlich allgemein im Westen für gescheitert zu erklären, bei allen Integrationsproblemen die es sicherlich zuhauf gibt. Vergessen wir außerdem nicht, dass Barack Obama väterlicherseits ebenfalls muslimischer Abstammung ist. Es ist daher aus meiner Sicht nicht ausgeschlossen, dass die USA, das Einwanderungsland schlechthin, in Zukunft einen entspannteren und diplomatischeren Ton im Verhältnis mit Arabien und den Muslimen einschlägt.

16 Antworten to “Peter Scholl-Latour”

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  2. Felix sagt:

    Momentan sehe ich keine Entspannung zwischen dem Westen und den muslimischen Ländern. Von 09/11 bis zum Boston-Attentat zieht sich eine Blutspur durch dieses Verhältnis, das sich auch nicht ändert wird, solange archaische Religionsansprüche und nicht Toleranzgebote den Ton angeben.
    Nachdem der Kommunismus zusammengebrochen ist, ist der Islamismus die größte Bedrohung für unsere freiheitliche, westliche Lebensform. Dass man frei von Religionsführen sein eigenes Leben selbst leben und verantworten kann, ohne ständig auf Knien vor irgendwelchen eingebildeten und indoktrinierten Gottheiten auf den Knien rumrutschen zu müssen, damit werden fundamentalistische Muslime offensichtlich nicht fertig. Und so ist der Hass auf freie Gesellschaften grenzenlos.
    Sollen wir uns auch der Unfreiheit eines mittelalterlichen Religionssystems unterwerfen, damit sich Muslime nicht mehr gekränkt fühlen – wohl kaum, das kann keine Alternative sein. Wir müssen unser freiheitliches System, ob wir wollen oder nicht, gegen ein totalitäres Glaubenssystem verteidigen wie weiland gegen einen totalitären Kommunismus. In beiden Fällen handelt es sich um totalitäre Ideologien, denen die Freiheit des Individuums ein Dorn im Auge ist.

    • Es ist wirklich schade, dass es immer wieder zu Konflikten zwischen Muslimen und Andersgläubigen bzw. dem Westen kommt.
      Das Problem mit dem Islam ist, dass er nie einen Stresstest durchlaufen musste, so wie das Christentum mit der Reformation und der Aufklärung.

      Andererseits zeigt der Ausbruch der arabischen Revolution, dass es insb. bei den jüngeren Arabern im Nahen Osten und in Nordafrika durchaus einen beachtenswerten Freiheitsdrang gibt.

      Man sollte dieser Freiheitsbewegung die nötige Geduld entgegenbringen. Es ist gut vorstellbar, dass es noch viele Jahre dauern wird bis sich im arabischen Raum stabile Demokratien entwickeln.

      Ich hoffe nur, dass auf diesem Weg die Rechte der christlichen Minderheiten nicht mit Füßen getreten werden. Leider kommt es in dieser Weltreligion immer wieder zu Christenverfolgungen.

      • Felix sagt:

        Ich befürchte, dass der islamische Fundalismus die Freiheits- und Demokratisierungstendenzen, die in vielen arabischen Ländern zweifelsohne vorhanden sind, erdrücken wird. Es besteht die Gefahr, dass diese Staaten das gleiche Schicksal erleiden werden wie der Iran, d.h. sie werden zu einem reaktionären Gottesstaat, dominiert von einem islamischen Regime. Das ist keine schöne Perspektive für liberale und säkulare Bürger dieser Länder, wie man am Beispiel des Irans sieht. Ob sie das in absehbarer Zeit überwinden werden können, bezweifle ich, dafür sind diese religiösen Strukturen zu verfestigt und mächtig.
        Was allerdings in den Hirnen dieser im Westen lebenden, oft hier aufgewachsenen, radikalisierten islamistischen Attentäter wie in Boston oder jetzt in London vor sich geht, ist mir schleierhaft. Woher dieser abgrundtiefe Hass auf die westliche Lebensweise herkommt, ist schwer zu verstehen. Aber eine Ideologie und dazu zähle ich auch fundamentalistische Religionen kann wie wir aus eigener leidvoller Erfahrung wissen, ganze Völker infizieren.
        Dass im 21. Jahrhundert ausgerechnet wieder Glaubenkriege die Tagesordnung bestimmen, wo in den westlichen Ländern die Macht der Kirche und die Bedeutung des Religiösen glücklicherweise überwunden worden ist, erscheint als Treppenwitz der Geschichte. Als hätten wir keine anderen, reale Weltprobleme zu lösen.

        • Ich denke, dass wir beim Umgang mit den Muslimen von den Israelis lernen können. Israel hat seit seiner Staatsgründung 1948 Probleme mit seinen arabisch-muslimisch geprägten Nachbarstaaten und muss immer wieder auch militärisch intervenieren. Auch gab es bekanntlich schon unzählige Sprengstoffanschläge im Inland.

          Ich war Anfang letzten Jahres dort. Israel ist ein tolles Land, sehr multikulturell geprägt, weltoffen, eine stabile Demokratie. Bekanntlich ist Israel jedoch auch von unzähligen Feinden umgeben, die sich wie man am Beispiel Syriens sieht zum Teil auch unter einander bekriegen. Es ist ein Elend.

          Nichtsdestotrotz: Das Zusammenleben mit den gemäßigten Muslimen klappt in Israel im Großen und Ganzen. Genauso wie es auch in Europa und Deutschland im Großen und Ganzen klappt.

          Jedenfalls ist der rassistische Extremismus, den es bei uns gibt und der sich bisweilen gegen die Muslime richtet, ebenfalls abscheulich.
          Ich denke hier zum einen an die Mordserie des NSU, die seit einigen Wochen am Münchner OLG verhandelt wird, darüber hinaus aber auch an den Norwegischen Attentäter Anders Breivik, der vor zwei Jahren fast 80 Menschen umgebracht hat. In seinem Manifest, das er vor der Tat anfertigte und das im Internet frei zugänglich ist spricht Breivik übrigens davon, sich der Muslime in Europa gleich komplett zu entledigen. Ich habe mir das Inhaltsverzeichnis angesehen und kann ihnen sagen, dass der Begriff “Deportation” fast 60 Mal fällt. Breivik schlägt also nichts anderes als die Endlösung der Muslimfrage vor, von wem er sich “inspirieren” ließ dürfte klar sein.

          • Felix sagt:

            Aus meiner Sicht müssen wir vor allem an der Überwindung bzw. Entmachtung der Religionen arbeiten. Sie haben mehr Leid über die Menschheit gebracht, und dabei nehme ich keine aus, als alles andere (selbst Buddisten und Moslems fallen inzwischen in Asien übereinander her).
            Auch der israelisch-palästinische Konflikt ist im Prinzip ein Glaubenskrieg.
            Wir sollten die archaischen Mythen und Märchen aus tausend und einer Nacht endlich hinter uns lassen und ohne Scheuklappen an einer friedvolleren und humanistischeren Welt arbeiten.

  3. Sie machen es sich zu einfach. => Weg mit den Religionen und anschließend leben wir in einer friedlichen Welt.

    Das Gegenteil ist jedoch richtig. Erstens hatten wir allein in Deutschland im vergangenen Jahrhundert gleich zwei Versuche genau diese Religionsverdrängung staatlich zu organisieren. Beide “Experimente”, sowohl der Faschismus wie auch der Kommunismus, sind kläglich gescheitert. Das Bsp. China zeigt, dass das gnadenlose Vorgehen der KP gegen die religiösen Minderheiten – die christliche (katholische) Minderheit kann ihren Glauben nicht frei ausüben, die buddhistischen Tibeter können davon ebenfalls ein Lied davon singen – ein Holzweg ist und einzig eine friedliche und pluralistische Gesellschaftsform die Lösung ist.

    Abgesehen davon: Allein mir graust es bei der Vorstellung die weltweit tätige Caritas würde ihre charitative Arbeit einstellen. Das Elend würde extrem zunehmen.

    • Felix sagt:

      Religionen zwangsweise abzuschaffen, kann kein Ziel sein (Religionsfreiheit ist ein Grunrecht). Das machen nur totalitäre Staaten. Jeder soll an die Geister glauben, an die er will. Das sehe ich wie der Alte Fritz: Jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden.
      Ich meine das so, wie wir es in Deutschland ja gemacht haben. Es gibt weiterhin Religionen und Kirchen, aber sie haben keine Macht mehr über die meisten Menschen. Religion ist Privatsache und keine staatliche Aufgabe. Dadurch, dass wir einen säkularen Staat haben, der sich den Religionen gegenüber neutral verhält, sind viel Konflikte obsolet geworden. In meiner Jugendzeit waren Konflikte zwischen katholischen und evangelischen Christen (siehe auch Nordirland) noch ein erhebliches Thema (etwa bei Eheschließung) gewesen, inzwischen messen dem die meisten keine Bedeutung mehr bei, weil es ihnen einfach nicht mehr wichtig ist. Das ist rein mentale Sache.
      Gerade sehe ich einen Bericht über den Bürgerkrieg in Syrien. Es geht um Aleviten, Sunniten, Schiiten und ich weiß nicht, welche religiösen Gruppen noch mitmischen. Dafür zerstören sie ihr Land und schlachten sich buchstäblich gegenseitig ab.

      • Also ich habe eher den Eindruck, dass sich die Religionen ein für alle mal durchgesetzt haben. Die katholische Kirche hat weit über eine Milliarde Mitglieder, für den Islam gilt dasselbe usw.

        Wenn ich bedenke, dass den Evangelischen Kirchentag in Hamburg vor ein paar Wochen 800.000 Menschen besucht haben, dann gewinne ich den Eindruck, dass auch in Deutschland die Suche nach spiritueller Gemeinschaft vielen Menschen wichtig ist und viele Christen ihren Glauben ausleben möchten. Übrigens sprach unser Bundespräsident Joachim Gauck als evangelischer Pastor auf dem Kirchentag. Angela Merkel ist ebenfalls religiös geprägt, sie ist bekanntlich Pastorentochter. Mir fällt noch ein weiterer ranghoher Politiker, der CDU/CSU-Bundestagsfraktionsvorsitzende Volker Kauder, ein, der bekannt dafür ist, sich für verfolgte Christen weltweit einzusetzen.
        Geistliche beider christlicher Kirchen sitzen in den verschiedensten Gremien, Kommissionen, Ausschüssen und diskutieren bei ethischen Fragen mit. Aktuelles Bsp. das mir einfällt: Darf bzw. soll die Bundeswehr (bewaffnete) Drohnen kaufen und einsetzen? Was sollte bedacht werden? etc.

        Mag sein, dass die Mitgliederzahlen in Deutschland ein wenig zurückgegangen sind, ein Zurückdrängen sehe ich jedoch nicht.

        Ich habe persönlich übrigens kein Problem mit Atheisten.

        Und zu den vielen Krisen und Konflikten im Nahen Osten. Wer sagt denn, dass es dort immer vordergründig um den Machterhalt bzw. Machtausbau religiöser Gruppierungen geht. Es kann natürlich ein Mitgrund sein, allerdings spielen je nach Land Themen wie Rohstoffausbeutung, Einnahmeverteilung, Chancengerechtigkeit, Armut, mangelhafte Bildung eine sehr große Rolle.

        Ich will jetzt aber auch nicht den Islam verteidigen. Im Großen und Ganzen denke ich auch, dass es eine rückständige und auch aggressive Religion ist.

        • Felix sagt:

          Weltweit stimmt das sicherlich, dass die Religionen sich durchsetzen. In den ärmsten Ländern dieser Welt sind die Religionen die einzige und letzte Hoffnung vieler Menschen. Ich war in Mombasa, da sind die Ausfallstraßen mit Religionsanbietern aller Coleur gepflastert, so wie bei uns mit Autohäusern und Tankstellen. Alle Arten von Heilsversprechen werden angeboten, während die Stadt im Elend versinkt. Das sind ganz einfach Märkte für Sinnangebote, von denen sich die Menschen etwas erhoffen. Bei uns ist es der Esoterikmarkt, der boomt und Milliarden umsetzt. Die Amtskirchen sind nur noch ein Teil dieses Marktes, der dank staatlicher Unterstützung (Kirchensteuer)noch diese Größe hat.
          Das genau ist meine These durch diese Marktvielfalt hat keine dieser “Geisteranbieter” mehr eine Machtposition in Deutschland und das ist gut so.
          Was die Megaevents wie Kirchentag anbelangt: Die gehen offensichtlich immer. Das weltweit größte dieser Art ist sicherlich Mekka. Das sind einfach irrationale Dinge, welche Massen anziehen. Das gelingt aber dem Fußball (EM, WM) u.a. genauso.
          Meine These: Je mehr Religion in einer Gesellschaft, desto schlechter geht es den Menschen. Ich sehe nur die Korrelation, nicht eine Kausalität.

  4. Was heißt “Geisteranbieter”? – Den Beweis der Existenz bzw. Nichtexistenz Gottes wird nie jemand erbringen können. Es steht jedem frei an Gott zu glauben oder nicht.

    Mega-Events ziehen die Massen an, klar.

    Wenn Sie den Hype um Sport-Stars, Show-Stars aus Fernsehen, Film, Musik-Business mal linguistisch betrachten:

    Wie viele Stars werden denn “beweihräuchert”, wie oft heißt es nicht auch die Massen “pilgerten” in die Stadien. Die religiöse Rhetorik durchzieht auch unsere Alltagssprache, die meisten benutzen ganz unbewusst alltägliche Floskeln. Meine zwei Beispiele zeigen jedoch, dass der Mensch ganz grundsätzlich gerne jemanden anhimmelt, Vorbilder und Idole sucht, aber auch Orientierung. Nur bin ich eben der Meinung, dass die Beweihräucherung von Stars unabhängig vom Betätigungsfeld leicht in die Irre führen kann, zumal die allermeisten Fans ihre Idole nie persönlich kennengelernt haben und daher gar nicht wissen wie der- oder diejenige charakterlich drauf ist.

    Daher lautet meine These: Je mehr pluralistische Toleranz, desto besser für die Gesellschaft, wobei die Toleranz dort aufhört, wo Rechte anderer tangiert werden, was natürlich immer auch Abwegungssache ist. Im Übrigen gilt Kants Kategorischer Imperativ: Handle nur nach derjenigen Maxime, von der du wollen kannst, dass sie allgemeingültiges Gesetz wird.

    Genau hier liegt ja mein Problem mit vielen Atheisten. Die Aggressivität, der Sarkasmus und Zynismus kennen oftmals keine Grenzen. Bisweilen beschäftigen sich Atheisten, ich denke hier zB an Michael Schmidt-Salomon von der Giordano-Bruno-Stiftung, intensiver mit dem Thema Religion, als manch ein Gläubiger.

    • Felix sagt:

      Nun, die Existenz Gottes zu beweisen, sollte kein Problem sein (wenn er existiert natürlich), wohingegen sich Nichtexistenz grundsätzlich nicht beweisen lässt.
      Aber Sie haben recht, die Welt hat reale Probleme, mit denen man sich befassen sollte, statt mit den Glauben oder Nichtglauben an Geisterwesen (damit meine ich unsichtbare, nicht nachweisbare Entitäten, die irgendwie hier herumschwirren, m.E. nur in den Köpfen, aber immerhin).
      Das Energieproblem und damit verbunden der mögliche Klimawandel gehören dazu. Die Armut in der Welt, die Zerstörung der natürlichen Ressourcen usw. Um so unverständlicher für mich, dass die Menschheit sich immer wieder in ideologischen/religiösen Glaubenskrieg aufreibt.

      • Felix, danke schon mal für die Kommentare. Das Thema Religionen ist schon spannend, aber in meinem Blog geht es vordergründig um weltliche Themen.

        Allerdings habe ich zugegebenermaßen Artikel hier veröffentlicht – zB Huntingtons umstrittene und angeblich auch falsch verstandene, falsch interpretierte These vom Clash of Civilization besprochen, die Angst vor Überfremdung bezogen auf die muslimische Einwanderung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels thematisiert etc. – aufgrund derer ich es nachvollziehen kann, dass sie auf das Thema zu sprechen kamen.

        Wenn Sie möchten, können sie gerne was zu Huntingtons These schreiben. Ich höre mir gerne andere Meinungen dazu an. Huntington selbst kann ja zu vielen heutigen Konflikten nicht mehr Stellung beziehen, da er bereits vor einigen Jahren verstorben ist.

        Nichts für ungut, aber die allgemeine pro/contra Religionen-Diskussion bringt meiner Meinung nach einfach nichts. Wir haben halt einfach die Religionsfreiheit und von daher müssen sich eben alle damit abfinden, dass man hier in Deutschland auf evangelische und katholische Kirchen stößt, aber auch, beides in zunehmender Anzahl, Moscheen und Synagogen.

        Es stellt sich die Frage, ob es weltweit tatsächlich mehr Konflikte und Kriege gibt im Vergleich zu früher. Ich weiß es nicht, vermute aber, dass dies nicht der Fall ist. Allein wenn ich an das blutige 20. Jahrhundert denke, das blutige 19. Jahrhundert (Napoleon), das blutige 18. Jahrhundert (französische Revolution, Kriege in den USA etc.), das blutige 17. Jahrhundert (30ig-jähriger Krieg) und das blutige Mittelalter, darüber hinaus die blutigen Kreuzzüge usw.

        Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte des Krieges. Ich bin Jahrgang 1984 (und sie?) und hoffe, dass mir der ganze Mist erspart bleibt.

        • Felix sagt:

          Sie haben natürlich Recht, dass man zu diesem Thema einen endlosen Dialog führen kann, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Nichtsdestotrotz war es ein interessanter Meinungaustausch.
          Zu Ihrer untersten Anmerkung: Dazu gibt es empirische Untersuchungen, die das bestätigen. Steve Pinker hat ein ganzes Buch dazu geschrieben: http://www.amazon.de/Gewalt-Eine-neue-Geschichte-Menschheit/dp/3100616049/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1369678614&sr=1-2&keywords=Pinker
          Ich habe allerdings nur Auszüge daraus gelesen. Insofern wird die Welt tatsächlich zivilisierter. Wenn wir Glück haben, müssen wir keinen Krieg erleben.
          Trotz der großen medialen Aufmerksamkeit sind damit einzelne Terroranschläge, die es immer geben wird, nicht zu vergleichen. Ein neues Phänomen scheint ja der pestialische Mord in London an den britischen Soldaten zu sein, wo die Attentäter absichtlich am Tatort bleiben. Das sind offensichtlich Einzeltätel, die einen persönlichen Dschiad führen. Boston war ähnlich; darauf wird man sich wohl verstärkt einstellen müssen. Das ist zwar nicht schön, rein opferstatistisch aber eher unbedeutend.

  5. Danke für die Buchempfehlung! Die amazon-Infos sind schon mal vielversprechend. Ich denke, dass das Buch ein Muss für alle Historiker und Soziologen ist.

    Sämtliche Terroranschläge sind schlimm insb. für die Betroffenen. Mit dem Geschichtsvergleich kann diese barbarischen Taten leicht banalisieren, was gar nicht meine Absicht war. Ich finde es jedenfalls richtig, dass unser Innenminister die islamistischen Hassprediger ausweisen möchte.

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