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In China essen sie Hunde!

Noch vor wenigen Tagen habe ich es in diesem Blog geschrieben und schon heute wurde es Realität: In China protestieren die Menschen. Ein ganzes Dorf mit seinen 20.000 Einwohnern geht auf die Straße. Sie proben den Aufstand, weil sie ihre Löhne einfordern und gegen die korrupte Staatsmacht demonstrieren wollen, die kommunales Eigentum an windige Immobilienfirmen verscherbelt. Die Behörden haben die Kontrolle über die Lage verloren. Mahlzeiten werden knapp.

Viele weitere Fälle sozialer Unruhen ereignen sich in dem gelben Riesenland, das vor Spannung zu bersten droht. Wo die Wirtschaft seit Jahren von einem Rekord zum nächsten eilt, viele westliche Staaten und deren Konzerne Geschäfte und Profite machen, da werden Forderungen der einheimischen Bevölkerung nach Partizipation an dem Aufschwung und dem damit einhergehenden Wohlstand laut. Doch es gibt unzählige Baustellen: das Eigentum wird nicht ausreichend gewährleistet, erst vor wenigen Jahren gab es eine Reform, die es den Chinesen überhaupt möglich machte, ihr Eigentum besser vor Willkür zu schützen.
Menschenrechtsverletzungen sind in China gang und gäbe, laut Amnesty International verhängt alleine die chinesische Volksrepublik so viele Todesstrafen, wie der ganze Rest der Welt. Ein einsamer Spitzenrekord und der absolute Wahnsinn. Auch wenn dieser Link schon etwas älter ist, wer sich für dieses Thema interessiert wird auf den Seiten von Amnesty International fündig.

Das Land hat seinen Wohlstand zwei Phänomenen zu verdanken, die typisch sind für das 21. Jahrhundert: Völkerwanderungen, in China im Besonderen durch Millionen Wanderarbeiter gekennzeichnet, und der Globalisierung, der das rote Reich einen großen Teil seines neuen Vermögens zu verdanken hat. Spannungen und soziale Unruhen entstehen nun, weil arm auf reich trifft und die sichtbaren Wohlstandsunterschiede mit Hilfe der Mund-zu-Mund-Propaganda bis in’s letzte Dorf China’s getragen werden.

Über 100 Mrd. US-$ wurden alleine dieses Jahr bereits aus dem Ausland in China investiert. Von solchen Konjunkturprogrammen wagt so manch ein westlicher Politiker gar nicht zu träumen. Das zeigt sich natürlich in beeindruckenden Wachstumszahlen und in einem wachsendem Selbstbewusstsein.
Dabei gibt es wie oben beschrieben unglaublich viele Missstände. Leider konzentrieren sich unsere Medien viel zu sehr auf die positiven, die wirtschaftlichen Meldungen aus China. Es wird kein oder nur ein zu vernachlässigender Druck gegenüber dem großen Land in der Mitte aufgebaut. Es wird viel zu unkritisch und eingeschüchtert von den vermeintlich so großen Problemen in unseren Landen, USA und Europa, berichtet. Ausschließlich Positives wird in den Vordergrund gestellt.

Ganz anders sieht die Berichterstattung zu unseren Gefilden aus: Viele Schreckenszenarien um Währungsturbulenzen und Rezessionen geistern durch unsere Medien, ständig wird Angst geschürt. Ich frage mich warum das so ist und finde nur eine unzureichende Erklärung in dem Wandel, den die gesamte Medienlandschaft selbst durch das Internet erfahren muss. Wahrscheinlich sind es wegbrechende Einnahmen aus der Werbeindustrie, die den Verlagshäusern und den Radio- und Fernsehsendern zu schaffen machen und sie mithin immer wieder auf’s Neue veranlassen, Hiobsbotschaften zu verbreiten. Schlechte Nachrichten haben sich schon immer gut verkauft heißt es meist ganz lapidar dazu. Das wird es wohl sein. Wenn es dem Nachbar schlechter geht als mir, dann bin ich zufrieden. Das selbe Prinzip setzt wohl auch ein, wenn es  um Menschen geht, die wir nicht persönlich kennen, Unternehmen aus anderen Regionen, anderen Staaten.

In dieses Bild passen die Meldungen aus China nicht hinein. Dort blühen die Landschaften, dort fließt Milch und Honig. Was für ein Quatsch, liebe Medien, mehr kritische Berichterstattung zu China ist erwünscht. Das ständige Verrücktmachen der eigenen Bevölkerung stößt mir persönlich sauer auf. Ein Bsp. ist die seit Jahren zu verfolgende Diskussion um einen schwachen € und einen schwachen US-$.
Lächerlich. Wo sind denn die Alternativen? Soll der Welthandel in Zukunft in Rubel berechnet werden, in türkischen Lira womöglich. Oder in chinesischen Yuan? Letzterer ist an den US-$ gekoppelt, was von der amerikanischen Regierung seit Jahren kritisiert wird. Fazit: Es gibt zum US-$ und zum € keinerlei brauchbare Alternative, so einfach ist das. All die Meldungen der letzen Jahre sind Kokolores. Ausufernde Staatsschulden in Griechenland haben überhaupt keine Bedeutung in unserer Welt, auf den Punkt gebracht interessiert das Land an Europa’s Peripherie niemanden wirklich.

Viele Nachrichten in den heutigen Medien sind wenig bis gar nichts wert. Sie stehen isoliert im Raum, herausgerissen aus dem Gesamtkontext einer eng verwobenen und globalisierten Welt haben sie einen Mehrwert von wenigen Stunden, höchstens bis zur nächsten Meldung und stellen so oder so ohnehin nur die Einzelmeinung eines Journalisten oder Redakteurs dar.

Heute habe ich zur Abwechslung vielleicht etwas philosophischer geschrieben als sonst, allerdings brennen mir einige Themen einfach unter den Fingernägeln. Trotz oder gerade wegen den Turbulenzen: Immer entspannt bleiben und den Tag genießen!

Mein Fazit läßt sich in drei Kernpunkten zusammenfassen:
1. China ist zwar wirtschaftlich stark muss aber mit massiven Umbrüchen in seiner Gesellschaft rechnen. Nicht anders sieht es die Regierung in Peking und zensiert das Internet.
2. Die Medien berichten heimatbezogen zu negativ und China betreffend zu positiv.
3. Die €/$-Krise ist in der von den Medien dargestellten, nämlich dramatisierenden Form, nicht existent.

Bis zum nächsten Mal! Matthäus

4 Antworten to “In China essen sie Hunde!”

  1. Tim Schäfer sagt:

    Hi Matthäus,

    die Verhältnisse in China sind in der Tat nicht sonderlich gut. Dass dort die Olympiade stattfand, verstehe ich nicht. Es handelt sich um eine Diktatur. Massenhafte Hinrichtungen, Manipulation der Medien, Zensur, Menschenrechtsverletzungen, kurzum es gibt viel zu tun.

    Wenn dort die Menschen wie in Ägypten, Syrien, Tunesien oder Libyen eines Tages auf die Straße gehen, würde mich das nicht wundern.

  2. Matthäus sagt:

    Das stimmt, Tim. Die Olympiade fand 2008 in Peking statt. Die Hintergründe dieser fragwürdigen Entscheidung sind mir ebenfalls nicht bekannt. Der Journalist Jens Weinreich (http://www.jensweinreich.de/) blogt regelmäßig zu IOC, FIFA und anderen Sportverbänden und prangert die dortigen Missstände an. Vielleicht weiß er mehr hierzu.

    Unabhängig davon ist es den Chinesen zu wünschen, dass sie ihre Porbleme in den Griff bekommen und ein funktionierendes Sozialsystem auf die Beine stellen sowie ihren Rechtsstaat ausbauen und verbessern. Sonst bleibt das Leben vieler Chinesen unerträglich.

    Viele Grüße Matthäus.

  3. Matthäus sagt:

    Auch die reichen Chinesen sind unzufrieden mit den Verhältnissen in ihrem eigenen Land. So möchte laut einer Studie der Bank of China, auf die in dem unten verlinkten Artikel Bezug genommen wird, fast jeder zweite Millionär auswandern. Hauptziel soll dabei die USA sein, über eine Million VISA-Anträge wurden von der amerikanischen Botschaft in Peking im letzten Jahr ausgestellt. http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2012/01/08/Wirtschaft/Reiche-Chinesen-wollen-raus-aus-China

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