finance & politics

Die Mormonen führen Gold als Zahlungsmittel ein

Ich nehme die Mormonen ernst. Nicht als Religionsersatz, sondern als konservative und besonnene Menschen. Daher beobachte ich mit Interesse, dass sie in ihrem US-Bundesstaat Utah neuerdings Gold als Zahlungsmittel eingeführt haben. Inwiefern sich dieses Vorhaben als intelligent erweist, wird sich zeigen. Ich bezweifle dies jedoch. Gold ist nur in begrenzten Mengen vorhanden. Sicherlich lagern viele Zentralbanken teilweise enorme Goldvorräte. Aber ist Gold als Zahlungsmittel wirklich eine Alternative zu einer Papierwährung? Gold ist ein Metall, genau wie Eisen, Zink oder Quecksilber auch. Man könnte theoretisch also auch mit Eisen bezahlen…

Wenn ich mir vorstelle, wie das Bezahlen mit Gold in der Praxis aussieht, dann ist es vielleicht noch denkbar seine täglichen Alltagsgeschäfte mit entpsrechend kleinen Goldnuggets zu bezahlen. Aber wie sieht es aus, wenn man sich ein Auto kaufen möchte? Oder wie sieht es aus, wenn man sich ein Haus kaufen will? Muss man dann mit einer LKW-Ladung voller Gold zum Verkäufer kommen? Noch absurder wird es, wenn man sich vorstellt, wie ein Reicher sich einen Privatjet oder eine Luxusvilla oder auch Luxusyachter kauft. Muss dieser dann gleich einen Containerschiff mit Gold beladen um seinen Erwerb zu finanzieren? Das ist alles Quatsch!

Gold kann eine Papierwährung niemals als Zahlungsmittel ablösen, jedenfalls nicht als Metall. Denkbar wäre folglich die eigene Währung an die Entwicklung des Goldpreises zu koppeln. Auch diesen Versuch hat es schon mal gegeben, der sog. Goldstandard. Laut dem Wikipedia-Artikel zum Thema Goldstandard war dieses Währungssystem von Ende des 19. Jahrhunderts bis zum ersten Weltkrieg vorherrschend. Die Geldmenge der an das Gold gekoppelten Währung entsprach exakt dem Goldbesitz des entsprechenden Staates. Die negativen Erfahrungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts führten dazu, dass das Bretton-Woods-System fester Währungskurse eingeführt wurde. Allerdings zeichnete sich Ende der 60er und Anfang der 70er-Jahre ab, dass feste Währungskurse den unterschiedlichen Entwicklungen der Volkswirtschaften nicht Genüge getan haben. So entwickelte sich beispielsweise die Volkswirtschaft der BRD viel besser als die Großbrittaniens. Die Folge war, dass im Jahre 1973 das Bretton-Woods-System endgültig aufgegeben wurde und die Wechselkurse freigegeben wurde. Seit der Einführung des € in zahlreichen Mitgliedsstaaten der EU herrscht ein Mischsystem aus freien (US-$, Yen, UK-Pfund) und festen Währungen vor. Die €-Mitgliedsstaaten schlossen sich dem Europäischen Währungssystem an und beschlossen damit eine Aufgabe ihrer nationalen Währungen zu bestimmten Fixkursen.

Mit den stark gestiegenen Staatsschulden in allen westlichen Staaten einschließlich Japans scheint eine Diskussion über den weiteren Systemverlauf nicht abwegig. Inwiefern eine von unzähligen Experten erwartete Infaltion die Aktualität dieser Diskussion befeuern werden wird, muss abgewartet werden.

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