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Meine Teilnahme bei der Ironman 70.3 – EM

Pünktlich um 6:30 Uhr rief die Frau von der Rezeption an um mich zu wecken. Zum selben Zeitpunkt klingelte auch schon das iphone. Mit meinen wenigen Sachen und dem weißen Beutel
bestieg ich das Taxi und erklärte dem schon vom Bedienen des eigenen Navigationsgerätes völlig überforderten Taxifahrer wohin die Reise ginge. Irgendwann 25 € später stieg ich unweit des Startpunktes “Schiersteiner Hafen” aus. Es goss in Strömen. Wie sich später herausstellen sollte, war dieses Wetter für den ganzen Tag vorgesehen, was aber niemanden recht überraschte, da alle Wetterprognosen dies voraussagten. Darüber war ich mehr als froh, ja geradezu dankbar. Das Schlimmste was mir passieren konnte waren 35 Grad im Schatten und eine Windstille, wie sie sonst vielleicht aus Wüstengegenden bekannt ist. Völlig ungeeignet um einen Ironman durchzustehen, auch einen halben.
Ich bezahlte also den Taxifahrer und wunderte mich noch darüber, warum ein jeder mit einer Regenjacke unterwegs war, wo wir uns doch eh alle gleich im Wasser zusammenfinden werden.

Klatschnass ging ich an dem Eingangs- und Sicherheitspersonal vorbei in Richtung Rad, das ich noch am Tag zuvor zusammen mit einer Helferin an meinem Platz abstellte, Startnummer 1310. Unterwegs fragte ich noch nach dem genauen Ort, an dem das Frühstück ausgegeben werden sollte. Die zwei Helferinnen staunten verdutzt und meinten nur, dass es kein Frühstück gäbe. Völlig perplex hatte ich Mühe meine Kinnlade nicht runterfallen zu lassen, hatte ich doch zu diesem Zeitpunkt noch nichts gegessen. Ich nahm meine Unterlagen heraus und wollte schon den ersten Organisationsfehler aufdecken, als ich selbst las, dass es Snacks geben sollte. “Na gut, also kein Frühstück, aber SNACKS.  Wo finde ich denn diese Snacks??” Als Antwort bekam ich nur entgegnet: “Ach die SNACKS. Ja, eh, das stimmt, die werden tatsächlich angeboten, aber nicht den Athleten sondern den Zuschauern.” Klar, selber schuld wer glaubt, dass es vor dem Wettkampf ne Kleinigkeit zur Stärkung gibt, auch wenn dies so in den offiziellen Wettkampf-Informationen drinsteht. (Wie sich aber am Ende des Tages herausstellen sollte, war das der mit Abstand einzig zu bemängelnde Punkt einer sonst perfekt durchorganisierten Europameisterschaft.)

Etwas ratlos stapfte ich zu meinem Rad um die Getränkeflaschen mit dem ISO am Rad anzubringen. Ich erzählte meinem Radnachbarn wie es dazu kam, dass ich gleich mit leerem Magen an den Start des Ironman’s gehen müsse, als ich ihn sofort zwei Riegel aus seinem weißen Beutel zücken sah. HA, für mich schien plötzlich wieder die Sonne. Dass muss wohl der berühmte Ironman-Spirit sein, von dem hier und da die Rede ist. Kurz nachdem ich mich umgezogen habe, gab er mir noch eine halbe Banane und als ich diese gegessen hatte, wusste ich schon, dass ich nicht hungersbedingt ertrinken werde.

Um 8:00 Uhr starteten die Profi’s und alle wussten, dass es jetzt gleich auch für sie losgeht. Nachdem 10 Min. später die Frauen-Gruppe und weitere 10 Min. später die 50+ jährigen starteten, war es endlich auch für uns Junge so weit. Um 8:24 Uhr sah ich aus der Ferne noch einige kraulende Arme der Profi’s ihren nächsten bzw. letzten Zug machen, da wurden wir schon eingesammelt und in den Startbereich gebeten. Die Profi’s sah ich zu diesem Zeitpunkt das einzige und auch das letzte Mal. Gewonnen hat im Übrigen Michael Raelert in knapp über 4 Stunden. Ich sortierte mich irgendwo im letzten Drittel der Gruppe ein und gemeinsam mit den anderen ca. 200 18-29-jährigen schwammen wir die ersten 100 Meter zur Startlinie.

Kurze Zeit später Punkt 8:35 Uhr fiel auch schon der Startschuss und los ging es. Am Anfang war es noch ein wenig beengt, doch schon nach wenigen Hundert Metern hatte ich mein eigenes Tempo gefunden und schlug niemanden unfreiwillig und wurde umgekehrt auch nicht mehr getreten oder geschlagen. Ich atmete entgegen meinem vorherigen Plan nicht alle 4 Armzüge sondern nach jedem Zweiten. Nach 900 Metern kam der Wendepunkt und irgendwo hier begannen die ersten “schnelleren” Schwimmer der nach uns gestarteten Altersgruppe der 30-35-jährigen mich zu überholen.
Mich überraschte dies nicht im Entferntesten. Ich hab mir schon vorher ausgemalt, dass es in jeder Altersgruppe einige Schwimmer geben wird, die die insgesamt 1,9 km lange Strecke in einer Zeit um die 30 Min. schwimmen werden. Mein Ziel war es nach ungefähr 55 Min. und damit 15 Min. unterhalb des Zeitlimits von 1 Std. und 15 Min. beim Schwimmausstieg und damit in der ersten von zweien Wechselzonen anzukommen. Insgesamt waren es dann auch wie ich finde gute 50 Min., dafür, dass ich die Wochen zuvor höchstens 7/8 Mal 1 – 1 1/2 Stunden trainiert habe, lässt sich die Zeit sehen.

Völlig ausgepumpt holte ich meine Sachen und ging in das Wechselzelt wo ich mich in aller RUHE abtrocknete und umzog. In den beiden Wechselzonen nach dem Schwimmen und nach dem Rad fahren sollte ich insgesamt fast 20 Min. verbringen. Es soll Athleten geben, und das stimmt auch, ich hab mir einige Ergebnisse angesehen, die innerhalb von drei Minuten durch beide Wechselzonen zusammen “stürmten”. Hier hab ich auf jeden Fall noch Potential für’s nächste Mal ;)

Nach dem ich mich also umgezogen hatte, rannte ich zum Rad, legte den roten Beutel mit den Wechsel-Sachen ab und schob das Rad bis zu der Stelle, an der man es erst besteigen darf, und an der die persönliche Zeit, die man für die Radstrecke braucht, zu laufen beginnt.

Die ersten 10 km sind ausschließlich zum Einrollen da, bevor dann der erste ebenfalls um die 10 km lange Anstieg beginnt. Mit durchschnittlich 8% Steigung hat es dieser erste Berg schon in sich und wurde wohl deshalb von den Organisatoren als “gnadenlos” bezeichnet. Da ich die Strecke ca. 6 Wochen vor dem Wettkampf-Tag aber schon mal abgefahren bin, wusste ich jedoch was auf mich zukommen würde und so erklomm ich dann irgendwann auch noch relativ entspannt den Gipfel.

Was dann folgte war eine schnelle Abfahrt und als ich kurz nach 11:00 Uhr den zweiten Anstieg passierte und an der ersten Verpflegungsstelle Halt machte und einen Feuerwehrmann nach der Uhrzeit fragte, dachte ich das erste Mal, dass ich es tatsächlich schaffen könne, zumindest in Wiesbaden anzukommen.

Ich schwang mich wieder auf’s Rad und quälte mich gemeinsam mit den anderen ca. 3.000 Einzel- und Staffelstartern die wellig-hügelige Radstrecke querbet durch den Rheingau-Taunus-Kreis weiter. Sehr nett war es, an jedem Anstieg unabhängig von der Länge von den Zuschauern angefeuert zu werden.

Bei Kilometer 67, im beschaulichen Strinz-Margarethä, der gleichzeitig dritten und letzten Verpflegungsstelle wusste ich, über eine Stunde unter dem Zeitlimit, dass ich es auf jeden Fall schaffen werde. Der letzte Anstieg, auf den Namen “The Hammer” getauft, hatte es dann mit seiner bis zu 14%-igen Steigung zwar noch in sich, in Gedanken war ich aber schon längst in Wiesbaden auf der Halbmarathon-Strecke.

Nach etwas über 4 Stunden auf dem Rad und insgesamt knapp über 5 Stunden nach dem Schwimmstart, kam ich selbstbewusst, sicher und mit dem Gefühl, dass dies ein guter Ironman 70.3-Tag sein wird, in Wiesbaden in der zweiten Wechselzone an.

Nun folgten auf die 90 km lange Radstrecke 21,1 km Laufen. Insgesamt musste jeder Finisher 4 ganze Runden um das Wiesbadener Kurhaus joggen, laufen, rennen, gehen, zur Not würde wohl auch krabbeln “gehen”. Die Laufstrecke ist schnell beschrieben: Es geht ungefähr die Hälfte der Strecke durch den Wiesbadener Stadtpark, die andere Hälfte auf Straßen, Fußwegen und dem Zielbereich rund um das Kurhaus.

Gefreut hat mich denn auch, dass ich auf dem einzigen kleineren Anstieg meinen Bruder Simon und meine Eltern entdeckte, was mich auf den im Vergleich zu der Radstrecke nicht mehr anspruchsvollen aber wegen der Erschöpfung doch mühevollen letzten Kilometern noch etwas zusätzlich pushte.
Als ich irgendwann auf der letzten Runde eh schon wusste, dass ich es in’s Ziel schaffen werde, erlaubte ich es mir, einen kleinen, aber doch kompletten “Geh-Kilometer” einzulegen, der an meiner ohnehin nur zweitrangigen Ziel-Zeit von 7 Std. und 45 Min. kaum noch was änderte.

Erschöpft und glücklich kam ich in’s Ziel. Geschafft! Den ersten Ironman 70.3 gefinisht!

(Nach mehreren Wochen hatte ich zu diesem Zeitpunkt ungefähr 1.000 km Schwimm-, Rad, insbesondere aber Lauftraining hinter mir, lediglich unterbrochen von einigen wenigen Ruhetagen, auch mal einer Woche bzw. 10 Tagen, und meiner Teilnahme am Halbmarathon in Frankfurt vom 06.06. und der Teilnahme am HeidelbergMan zwei Wochen zuvor.)

Besonders danken möchte ich meinem Bruder, meinen Eltern und den zahlreichen Helfern, ohne deren Unterstützung ich es wohl nicht geschafft hätte. :D

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